enkeltauglich leben

Sich die Ernte teilen …

von Grit Fröhlich, erschienen in Ausgabe #18/2013
Photo

Solidarisch ackern
Woher kommt das Essen auf unserem Teller? Die wenigsten haben noch einen direkten Bezug dazu. Stattdessen herrscht immer öfter das ungute Gefühl, dass wir heute von einer Landwirtschaft ernährt werden, wie wir sie eigentlich nicht wollen. Die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt, doch das meiste wird auf anonymen globalen Märkten produziert, während Bauernhöfe in der Nachbarschaft unter dem Preisdruck der Weltmärkte aufgeben müssen. Eine Alternative dazu ist die Solidarische Landwirtschaft, die in erfreulich an Zahl zunehmenden neuen Projekten verwirklicht wird. Sie entwickeln eine gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft, bei der Erzeuger und Verbraucher eine direkte Partnerschaft eingehen, zum Vorteil für beide Seiten.
Stephanie Wild hat nun ein praktisches Handbuch für alle, die ein solches Projekt gründen wollen, geschrieben. Es baut auf den bestehenden Erfahrungen auf. Aktuell gibt es in Deutschland 24 Solidarhöfe und ebenso viele Initiativen. Angestoßen werden kann ein Projekt sowohl von Gärtnern und Landwirten als auch von Nicht-Landwirten. Die Autorin beschreibt, wie man Mitstreiter findet, wie man die Ernte gerecht aufteilt und mögliche Finanzierungs- und Rechtsformen findet. Sie gibt Beispiele für Jahreskalkulationen sowie Tipps zur guten Gemeinschaftsbildung. Berichte unterschiedlicher deutscher Projekte machen Mut und Lust, selbst eine Initiative zu gründen.
Was die Solidarhöfe ausmacht, ist, dass Nutzen und Risiken der Landwirtschaft geteilt werden. Über einen monatlichen Mitgliedsbeitrag bezahlt die Gruppe dem Bauern vorab einen fairen Preis, der ihm ein auskömmliches Leben ermöglicht. Finanziert werden also nicht die Produkte, sondern die landwirtschaftliche Tätigkeit: dass der Bauer nachhaltig wirtschaftet, das Land pflegt, die Bodenqualität verbessert, alte Sorten und Rassen erhält. Am Ende teilen sich dann alle die Ernte: In guten Jahren haben auch die Verbraucher viel davon, in schlechten bleibt der Bauer nicht allein auf Ernteausfällen sitzen. Die Gruppenmitglieder bekommen hochwertige regionale Lebensmittel, und – was unbezahlbar ist – es gibt ein direktes Vertrauensverhältnis zu den Erzeugern. Darüber hinaus sind Solidarhöfe auch Orte der Begegnung und Bildung. Hier entsteht für Stadtmenschen ein direkter Bezug zum Land, ein tieferer Kontakt mit der Natur und die Einsicht in natürliche Kreisläufe. Stephanie Wilds Buch macht klar, dass genau hierin das große Potenzial der Solidarischen Landwirtschaft liegt: dass wir uns wieder mit dem Land verbinden, das uns ernährt, Verständnis für Zusammenhänge gewinnen und so Impulse erhalten, unser Leben insgesamt zukunftsfähiger zu gestalten.

Sich die Ernte teilen …
Einführung in die Solidarische Landwirtschaft
Hrsg. Stephanie Wild
printsystem Medienverlag 2012, 85 Seiten
ISBN 978-3938295618
13,80 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #18

Photo
Globale Perspektivenvon Petra Steinberger

Die Eisenzeit ist nicht vorbei

Die gesamte Landfläche von Trantor, 75 Millionen Quadratmeilen, war eine einzige Stadt […] es gab auf der gesamten Oberfläche kein einziges lebendiges Wesen außer dem Menschen.« So beschrieb der amerikanische Science-Fiction-Autor Isaac Asimov auf den ersten Seiten

Photo
Regional- & Stadtentwicklungvon Ralf Otterpohl

Barfußhäuschen im Gartenringdorf

Auf unseren Äckern wachsen Pflanzen unter hohem Gifteinsatz, während die verdichteten Böden zu Wüsten werden. Was wäre, wenn auf diesen Feldern Gärtner lebten? Eine konkrete Utopie.

Photo
von Grit Fröhlich

Der Urzeit-Code

Keimformen des Lebens Die Vielfalt der Arten auf unserem Planeten schrumpft. Auch die Landwirtschaft reduziert den Anbau zunehmend auf eine Handvoll »Cash Crops«, die von Agrokonzernen so gezüchtet werden, dass sie bei intensivem Einsatz von Chemie hohe Erträge erzielen.

Ausgabe #18
Nützlich sein, statt übernutzen!

Cover OYA-Ausgabe 18
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion