enkeltauglich leben

Esst anders!

von Farah Lenser, erschienen in Ausgabe #19/2013
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Eine neue Epoche von Agrarkultur

»Esst anders!« Dieser Buchtitel fordert, unser täglich Brot wieder bewusst zu genießen. Der Untertitel verrät, was dafür vonnöten ist: inspirierte Bauern, innovative Handwerker und informierte Genießer. »Vom Ende der Skandale« heißt es weiter. Um die geht es in der ersten Hälfte dieses lehr- und detailreichen Buchs.
Ziegengrippe, Schweinegrippe, Vogelgrippe, BSE & Co. Vor allem der sogenannte Rinderwahnsinn löste Mitte der 1990er Jahre eine Schockwelle aus, als bekannt wurde, dass die neue Variante der für Menschen tödlich verlaufenden Creutzfeld-Jacob-Erkrankung durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch hervorgerufen wurde. Erstmals wurde einer breiten Öffentlichkeit das Elend einer Massentierhaltung vor Augen geführt, die letztlich auf den Menschen selbst zurückschlägt.
Die Zwänge der Ökonomie und der Wunsch des Verbrauchers nach billigen Lebensmitteln wurden dafür verantwortlich gemacht. Das Buch belegt, wie Lobbyisten der Agrarindustrie diese Zwänge europa- und weltweit durchsetzen. Die Folgen sind nicht nur artfremde, zum Teil grausame Tierhaltung oder die Vernichtung von Regenwald zum Anbau von Tierfutter, sondern auch die Durchsetzung von Biotechnologien. Trotz fehlender Risikofolgenabschätzung wird die Aussaat von genverändertem Saatgut erzwungen, obwohl eine Mehrheit der Verbraucherinnen in Europa diese ablehnt. Die Behauptung der Agrokonzerne, die Gentechnik würde den Welthunger besiegen, wird fragwürdig, wenn indische Bauern den Selbstmord einem Hungertod vorziehen, weil Terminatorgene im teuren Saatgut eine Wiederaussaat verhindern.
Doch schon Hölderlin wusste: »Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch!« – Widerstand formiert sich mit lokal und weltweit agierenden NGOs, die Verbraucher aufklären. Initiativen wie »Slowfood« pflegen eine Kultur des Essens und Trinkens. Inspirierte Bauern betreiben eine Bio-Landwirtschaft der kurzen Wege und entwickeln eine Agrarkultur, die auf einer Ethik des Miteinanders sowie auf der unantastbaren Würde von Mensch, Tier und Pflanzenwesen beruht.
Franz-Theo Gottwald entwirft hier die Vision einer modernen Gesellschaft, die das Leben auf der Scholle zu einem attraktiven, multifunktionalen Kulturraum auch für innovative Handwerker und Städter umgestaltet und die am Gemeinwohl orientierten Werte der ursprünglichen bäuerlichen Gesellschaft für den Aufbau einer solidarischen Gemeinschaft nutzt. 

Esst anders!
Vom Ende der Skandale
Über in­spirierte Bauern, innovative Handwerker und informierte ­Genießer

Franz-Theo Gottwald
Metropolis 2011/2012, 205 Seiten
ISBN 978-3895188534
18,00 Euro

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