Buchtipps

Kämpfe um Land (Buchbesprechung)

von Erik Meininger, erschienen in Ausgabe #12/2012
Photo

Dieses Buch ist ein Weckruf über 255 Seiten. Und dieser Ruf ist zutiefst beunruhigend in seiner bestechenden Deutlichkeit: Fossile Rohstoffe wie das für unsere Wirtschaft bislang so lebenswichtige Erdöl, aber auch Erdgas, wichtige Metalle und Rohstoffe zur Produktion von Düngemitteln für die Landwirtschaft – sie alle werden absehbar immer knapper.
Die Preise für Energie und Nahrungsmittel steigen bereits, und damit wird der Zugang zu Land immer wichtiger. Aber Ackerland ist natürlich ebenso begrenzt wie die ausgebeuteten Rohstoffe, und so hat die Nutzung des Bodens für biogene Kraftstoffe und den Fleischkonsum westlicher Prägung zur Folge, dass die Lebensperspektiven ganzer Bevölkerungsgruppen in der südlichen Hemisphäre bedroht sind.
Der Titel des Buchs »Kämpfe um Land« mit dem Untertitel »Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter« vermittelt einen guten Eindruck des Spannungsfeldes, in dem sich die acht Aufsätze bewegen, die im Rahmen des Forschungsprogramms »Neue Energien 2020« entstanden. Acht Texte, die zwischen Analysen zur Rohstoffsituation, nüchtern formulierten Kata­strophenszenarien und alternativen Modellen solidarischer Postwachstumsökonomien changieren.
Die Beiträge untersuchen nicht nur die Ursachen der aktuellen Krise, sondern auch die bevorstehenden Auswirkungen durch die Verknappung des Erdöls oder die Chancen und Grenzen der Energiegewinnung aus regenerativer Biomasse. Darüber hinaus werden die absehbaren Veränderungen in der Landwirtschaft und die Folgen der globalen Verknappung von Metallen behandelt. Insgesamt wird klar, dass die Verheißung allgemeinen Wohlstands durch ein konstantes Wirtschaftswachstum unglaubwürdig geworden ist.
Als Ausweg entwerfen die letzten beiden Texte konkrete Ansätze einer basisdemokratisch organisierten, auf Gemeingütern basierenden Gesellschaft, die den Menschen und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen im Fokus hat. Auf der Grundlage »sozialer Basisinnovationen«, die als veränderte soziale Verhaltensweisen zu verstehen sind (unter anderem der Fähigkeit der Menschen, sich in komplexeren Gemeinschaftssystemen zu organisieren), sollen auf kommunaler Ebene alternative Wirtschafts- und Lebensweisen entwickelt werden. Diese könnten sich gemäß den Autoren im Idealfall so weit entwickeln, dass sie sich ausbreiten und schließlich das alte System ablösen. Die Frage ist nur, wieviel Zeit dafür noch bleibt.
Wer ernsthaft an dieser Thematik arbeiten will, dem sei ans Herz gelegt, sich Zeit für dieses Buch zu nehmen. 


Kämpfe um Land
Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter.
Andreas Exner, Peter Fleissner, Lukas Kranzl, Werner Zittel (Hrsg.)
Mandelbaum Verlag, 2011, 255 Seiten
ISBN 978-3854766032
19,90 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #12

Photo
von Ulrike Meißner

Der Kleinsthof (Buchbesprechung)

Haben wir den Aufbau einer krisenfesten Gesellschaft zum Ziel, ist die entschiedene Hinwendung zu landwirtschaftlich-gärtnerischer Tätigkeit vieler Menschen nötig, davon ist Oswald Hitschfeld überzeugt.Deshalb stellt der Diplom-Landwirt in seinem Büchlein »Der

Bildungvon Margret Rasfeld

Das Lernen der Zukunft

Kinder sind naturgegebene Lerner. Wie kann unser Bildungssystem dem gerecht werden? Eine Berliner Schule nahm die Frage ernst und revolutionierte den Lernalltag – mit Erfolg.

Gemeingütervon Jochen Schilk

Betreten verboten!

Das Land gehört den Menschen. Oder gehören die am Ende dem Land? – Einige Gedanken zur (Un-)Möglichkeit des Landbesitzens.

Ausgabe #12
Bodenhaftung

Cover OYA-Ausgabe 12Neuigkeiten aus der Redaktion