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Der Soja-Wahn (Buchbesprechung)

von Elisabeth Meyer-Renschhausen, erschienen in Ausgabe #7/2011
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»Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät« – der Untertitel des Buchs »Der Soja-Wahn« ist vielleicht etwas un- glücklich formuliert. »Wie eine Pflanze Zwietracht und Zerstörung sät« wäre wohl treffender gewesen. Der Autor, ein Umweltjournalist, lebt in Rio de Janeiro und hat sich jahrelang mit der zerstörerischern Wirkung des Sojaanbaus befasst.
In Südamerika opfert man dem Sojaanbau immer größere Gebiete, Indigene und Kleinbauern werden vertrieben, indem sie von Flugzeugen aus rücksichts- los mit Agrargiften eingenebelt werden. In Nordame- rika und Europa hingegen wächst die Begeisterung für Soja. Soja gilt als gesunder Fleischersatz. Die Zunahme von Lebensmittelallergien lässt die Menschen von Kuh- auf Sojamilch umsteigen – mit Zuwachsra- ten von zuletzt 30 Prozent jährlich.
Aber nicht alle vertragen Sojaprodukte. Besonders Menschen mit allergischer Veranlagung reagieren oft negativ auf die Sojabohne. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund schätzt, dass sogar jeder Dritte betroffen ist, darunter besonders Kinder. Frauen mit Wechseljahrproblemen werden die Isoflavone von Soja als »Phytoöstrogene« empfohlen. Doch das Bundesamt für Risikobewertung bewertete die Einnahme von Isoflavonen 2007 als bedenklich. Säuglingen soll Sojamilch möglichst nicht verabreicht werden, da sie unter anderem die Fortpflanzung beeinträchtigt. Dass die Asiaten viel Soja äßen, ist ein Mythos, der Umgang mit Soja in China und Japan ist recht maßvoll.
Der weitaus größte Teil der angebauten Sojabohnen kommt in der Tiermast zum Einsatz. 1935 gelang es Forschern, die giftigen Bestandteile in Soja durch Erhitzung auszuschalten. Dieses »getoastete« Sojamehl wurde nun in der Tierfütterung einsetzbar. Seither werden Tiere in Ställe eingepfercht und entgegen ihren Gewohnheiten mit einer Mais-Soja-Diät zwangsernährt. Milch von grasfressenden Kühen ist jedoch völlig anders zusammengesetzt.
Eine der Hauptfolgen des Soja-Anbaus in den USA ist die gezielte Zerstörung der bäuerlichen Landwirt- schaft. Gewinner des Sojabooms sind ausschließlich einige wenige große Firmen und, nachdem 1996 Gen-Soja erlaubt wurde, auch Monsanto.
Der World Wide Fund for Nature (WWF) gründete einen runden Tisch für »verantwortliches« Soja, an dem sämtliche Gen-Sojafirmen teilnehmen, während die Vertreter der bäuerlichen Landwirtschaft unterpräsentiert sind. Auf diese Weise bekommt Gentech- Soja deshalb problemlos eine Art Umweltsiegel ...
Was diesem informativen Buch fehlt, ist ein Überblick über die weltweit engagierten Gegner der Gentechnik, des »Bio«-Diesels und des Sojaanbaus. Auch Fußnoten und eine Literaturliste scheinen mir zu kurz gekommen. Ansonsten ist dem oekom-Verlag und dem Autor zu dem Büchlein zu gratulieren.

Der Soja-Wahn
Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät. 

Norbert Suchanek
oekom Verlag

109 Seiten
ISBN 978-3865812162
8,95 Euro

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