Buchtipps

Geist = Kapital (Buchbesprechung)

von Nadja Rosmann, erschienen in Ausgabe #1/2010
Photo

achhaltigkeit und Corporate Social Responsibility sind in der Wirtschaft fast schon zu Modedisziplinen geworden. Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise zeigt jedoch auch, dass es vielen dieser Bemühungen noch an wirklicher Fundierung fehlt. Wenn gut gemein- ten Ökofonds faule Kredite und übermäßige Boni zur Seite stehen, wenn Discounter immer mehr Bio-Ware ins Sortiment nehmen, aber zugleich die Preise der Erzeuger drücken, wird augenscheinlich, dass der Ego- Kapitalismus noch erheblichen Reformbedarf hat.
Dass es auch anders geht, illustriert das im info3 Verlag erschienene Buch »Kapital = Geist«, das die Geschäftsmodelle und Visionen anthroposophischer Unternehmen unter die Lupe nimmt. Neben bekannten Größen wie die dm Drogeriemarkt-Kette, Alnatura, hessnatur und die GLS Bank porträtiert der reich illustrierte Band auch kleinere Akteure des anthroposo- phischen Unternehmertums, z. B. den Reinigungsmit- telhersteller Sonett, den Saftanbieter Voelkel oder den Farbproduzenten Stockmar, und ermöglicht Einblicke hinter die Kulissen. Unabhängig von ihrer Branche oder Größe eint diese Pioniere ein gemeinsamer Geist, näm- lich das Bewusstsein, dass Wirtschaft keinem Selbst- zweck folgen, sondern dem Menschen dienen sollte.
Von der breiten Öffentlichkeit oft unbeachtet, ist es diesen Vorreitern gelungen, teils in bereits jahrzehn- telanger Kontinuität neue Modelle des Wirtschaftens zu entwickeln, die nicht nur unternehmerische Unab- hängigkeit vom Raubtier-Kapitalismus ermöglichen, sondern auch werthaltige Produkte am Markt etabliert haben, die dem Leben dienen oder die schöpferische Entwicklung des Menschen fördern.
Das Buch stellt neue Eigentumsformen vor, die
es ermöglichen, dass ein Unternehmen »sich selbst« gehört, was besonders in Hinblick auf die Gemeingüter- Debatte eine spannende Praxis zum Vorschein treten lässt. Es zeigt, wie sich eine intensive Mitarbeiterbetei- ligung durch sich selbst regulierende »Führungsmo- delle« realisieren lässt, und verdeutlicht, dass Produkte tatsächlich nachhaltig sein können, wenn die gesamten Herstellungsprozesse einer entsprechenden Philoso- phie folgen. Ein Inspirationsbuch im besten Sinn, das viele praktische Anregungen vermittelt, wie sich Wirt- schaft gestalten lässt – konstruktiv und ohne falsche Kompromisse. 

Geist = Kapital.
Pioniere der Nachhaltigkeit Jens Heisterkamp (Hrsg.) info3 Verlag, 2009,
176 Seiten
ISBN 978-392439142
 24,00 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #1

Gemeinschaftvon Ute Gieseking

Lernfeld Allmende: Vom Geben und Nehmen

Im November trafen sich vier Mitglieder von langjährig bestehenden Gemeinschaften in der Kommune Niederkaufungen. Ute Gieseking aus dem Lebensgarten Steyerberg, Kushad Claes von der Parimal Gut Hübenthal e.G. und Oya-Redakteur Dieter Halbach aus Sieben Linden diskutierten mit Gastgeber ­Steffen Andreae über ihre Erfahrungen mit gemeinschaftlichem Besitz. Ihr Resümee: Der Umgang mit Gemeingütern will gelernt sein, und die größten Schwierigkeiten ergeben sich, wenn die Allmende fehlt.

Gemeingüter

Stichwort »Allmende«

Die etymologische Bedeutung 1 des Worts Allmende 2 ist etwa »allen (Gemeindemitgliedern) (im Wechsel) zukommend« 3. Die älteste bekannte Form ist das althochdeutsche 4 (ala)gimeinida. Das althochdeutsche Wort ala 5 hat sich zu unserem heutigen

Gesundheitvon Peter Held

Lebe, solange du nicht stirbst!

Peter Held bildete vor seiner Herzkrankheit Führungskräfte in einem großen Konzern aus. War es die moderne Medizin, die ihn am Leben erhielt? Heute beschreibt er es anders: Der ­Moment der Heilung kam in einer Phase, in der Körper und Geist sich selbst helfen mussten. Der vor zehn Jahren bereits Totgesagte leitet heute eine Stiftung, die Kindern hilft, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Ausgabe #1
Wovon wir alle leben

Cover OYA-Ausgabe 1Neuigkeiten aus der Redaktion