Erleben erdet
Jährlich erscheinen neue Bücher über die Bedeutung von Naturerlebnissen für Kinder und Jugendliche – doch wie sieht es in der Praxis aus?

Märchen, die einem Mythenforscher zufolge im Zustand zwischen Wachen und Träumen entstanden sein sollen, lassen tief in die menschliche Seele blicken. Unzählige Versuche wurden unternommen, um diese archaischen Überlieferungen mit ihrer Rätselhaftigkeit, ihren Gewaltdarstellungen und ihrer ganz eigenen Logik zu analysieren. Einen anderen Weg wählt Ursula Seghezzi: In ihren Nacherzählungen von 19 bekannten Hausmärchen der Gebrüder Grimm löst sie sich vom Urtext, verflicht Fäden neu, deutet manches um und legt so Themenstränge frei, die von existenziellen menschlichen Erfahrungen rund um Lebensübergänge handeln.
Durch die Rahmenhandlung – eine »Hinreise«, eine »Rückreise« und erklärende Zwischenstücke – führt eine mythische »Bärenfrau«, die der namenlosen Ich-Erzählerin in einem dunklen Wald erscheint und ihr die Märchen in der vorliegenden Fassung erzählt. Böse Stiefmütter, garstige Hexen, übelwollende Geister, Grausamkeit und Ungerechtigkeit sucht man darin vergeblich. Stattdessen handeln diese Bildungsstücke von den archaischen Rhythmen von Übergang und Initiation, von Begegnungen mit den Ahnen, von schamanischen Reisen und Visionssuchen.
Viele der tradierten Gewaltexzesse werden hier in seelisches Kapital umgemünzt, indem sie nicht auf der physischen Ebene erlitten, sondern in visionärer Innenschau erfahren werden. Oft werden die Handelnden vertauscht oder ihre Handlungen ins blanke Gegenteil verkehrt. So ist es zum Beispiel nicht die gütige weise Bewohnerin des Lebkuchenhauses, sondern Gretel, die – als Vision an der Schwelle zur Frau – im Backofen verbrennt; und so wandelt sich bei Schneewittchen der Foltertanz zum Trancetanz, anstatt in glühenden Eisenschuhen wird er in roten Schamanenschuhen getanzt.
Die Märchen sind in angemessen schlichter Sprache nacherzählt, die nicht antiquiert wirkt und dennoch oft Färbung und Ton volkstümlich überlieferter Märchen trifft. Seghezzis eigentliche Kunst liegt aber gar nicht im Sprachlichen, sondern im Sichtbarmachen von Seelen- und Entwicklungsfäden im Spiegel überlieferter menschlicher Erfahrung. Das tut sie in inspirierender Tiefe.
Im Land der Seele
Märchen
Ursula Seghezzi
van Eck Verlag, 2015, 204 Seiten
ISBN 978-3905881417
23,80 Euro
www.umainstitut.net/bestellformular

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Eine Kampagne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie versucht derzeit, für Industriebetriebe Auszubildende zu gewinnen. »Entdecke das DU in Industrie« ist das Motto, und so fährt der Werbetext fort: »›Industrie ist, wenn’s stinkt, lärmt

Die oft hierarchischen Verhältnisse in der psychosozial-psychiatrischen Versorgungslandschaft auf den Kopf zu stellen, mag realitätsfern anmuten – doch im »Durchblick e. V.«, einer Interessengemeinschaft für Psychiatriebetroffene, ist dies seit bald 27 Jahren tägliche Praxis.