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Saat der Freiheit (Buchbesprechung)

von Anke Caspar-Jürgens, erschienen in Ausgabe #38/2016
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Das Titelbild des knapp hundertseitigen Buchs »Saat der Freiheit« von Bertrand Stern nimmt dessen Kernaussage vorweg: Einem Löwenzahnsamen ist es gelungen, durch den Asphalt zu brechen und sich zu einer kräftig blühenden Pflanze zu entfalten. Das Buch möchte seine Botschaft zur Selbstbefreiung des Menschen so leicht schwebend wie die Samen des Löwenzahns überallhin verbreiten. Wie in seinen vielen vorangegangenen Aufsätzen, Vorträgen und ­Seminaren zum Thema Bildung geht es Bertrand Stern auch hier um die Befreiung von Ideologien und Institutionen. Für ihn bedeutet das, dass junge Menschen als eigenständige Subjekte frei entscheiden, wann, wo und mit wem sie lernen.
In seinem logisch stringenten Vorwort bemerkt der Autor, dass auf seine Analysen zentraler Widersprüche im staatlichen Bildungssystem hin immer wieder von ratlosen Menschen gefragt wird, wie es denn ganz konkret anders gehen könne. Bertrand Stern bietet keine Rezepte an, auch nicht in diesem Buch. Um aber für seine Leser und Leserinnen nachvollziehbar zu machen, worum es ihm im Kern geht, wählt er den Kunstgriff einer fiktiven Laudatio zum hundertjährigen Bestehen der bundesdeutschen Verfassung im Jahr 2049. Mittlerweile verbrieft, so heißt es darin, diese Verfassung das Recht, sich frei zu bilden – und niemand kann sich mehr vorstellen, dass es je anders gewesen ist. Spannend und flüssig lesbar geschrieben, spiegelt Betrand Stern heutige Schul- und Freilernerfahrungen im Bild einer konkreten Utopie aufblühender Landschaften des »Frei-sich-Bildens«. Warum er diesen Begriff anstelle von »Lernen« verwendet – ein Ausdruck, der nahezu automatisch mit einem schulischen Zusammenhang assoziiert wird, erläutert Bertrand Stern auch in einem Video (www.kurzlink.de/frei-sich-bilden).
»Saat der Freiheit« lädt dazu ein, sich auf spielerische und lebendige Weise mit zentralen Fragen einer hochaktuellen Bildungsdiskussion auseinanderzusetzen – etwa wenn der Autor untersucht, was der Begriff »Kind« eigentlich impliziert oder was die Institutionalisierung der Gesellschaft speziell im Bildungsbereich bewirkt. Ob unsere Verfassung, die am 23. Mai 1949 das Licht der Welt erblickte, wohl noch einmal ihr demokratisches und freiheitliches Potenzial entfalten kann, so dass die in ihr angelegte Saat der Bildungsfreiheit zur Blüte kommt? Besonders spannend ist in Sterns Utopie die »Rückblende« des fiktiven Laudators darauf, wie es zum Ausbruch aus einer überholten Bildungsideologie kommen konnte. ◆ 


Saat der Freiheit
Impulse für aufblühende ­Bildungslandschaften.
Bertrand Stern
thinkOya, 2016, 96 Seiten
10,00 Euro

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