Titelthema

Wo sind wir, wenn wir Musik hören?

von Gregor Von Glinski, erschienen in Ausgabe #46/2017
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© Gregor von Glinski

Zugegeben, die Zeiten wilden Tanzens und Ausgehens sind für mich lange vorbei. In ritualisierten Zeremonien zogen wir unter Freunden von Party zu Party. Irgendwo an so einem Hort der Begeisterung ist vor vielleicht 27 Jahren diese Doppelbelichtung entstanden. Wenn es in der Stadt einen Ort gab, um aus eben der Stadt und der ganzen lokalen Aufdringlichkeit der Welt zu entfliehen, dann war es der Tanzraum – ein Rückzugsraum.
»Beim Musikhören ist man nie ganz in der Welt«, sagt Peter Sloterdijk. In der Bewegung, im Tanz versuchte ich, der zu sein, der ich sein wollte, nicht der, zu dem mich »die Welt« zurechtmachen wollte. Du löst den Realitätsbann und versetzt dich in eine bessere Welt, im kollektiven Hören auch in ein entrücktes Gemeinschaftsgefühl. Gemeinsam will man sich in den Rhythmus fallen lassen – »like to fall in love«.
Andacht und Kampf – beide werden durch Lieder, durch Musik angefeuert, zum
Zittern gebracht, in Resonanz versetzt.

Gregor von Glinski ist Fotograf und anderes mehr. Geboren 1962 in Soest, lebt und arbeitet er seit 20 Jahren in Berlin. Zu besichtigen: ausloeserfreude.blogspot.de

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