Titelthema

Einfach anfangen!

von Friederike Habermann, erschienen in Ausgabe #47/2018
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© Markus Altmann

Die meisten kennen das: Über Jahre bekommen wir mit, wie eine Freundin, ein Freund uns im Grunde von immer demselben Problem erzählt, an dem sie oder er leidet, und aus unserer Sicht immer nur nicht erkennt, wie einfach es wäre, durch eine Veränderung des eigenen Verhaltensmusters das Problem aufzulösen. Zum Beispiel: Sich nicht in der Erinnerung an einen geliebten Menschen zu verlieren. Sich von jemandem zu trennen. Sich gegen die Entscheidungslosigkeit zu entscheiden. Und glücklich(er) zu sein.
Verhalten wir uns als Gesellschaft insgesamt nicht genauso? Weil wir glauben, wir bräuchten Geld, nehmen wir Konkurrenz, künstliche Knappheit und Krieg in Kauf. Kurz: Kapitalismus. Klar gibt es Zwänge, die von uns Kaufen und Verkaufen, Erwerbsarbeit und Ellenbogen verlangen. Klar gibt es Machtverhältnisse und Machtinteressen. Klar gibt es Strukturen, die unser Tun strukturieren. Aber es gibt auch Möglichkeiten, sich all dem ein Stück weit zu entwinden. Mehr oder weniger. Im individuellen Handeln beginnend, aber mit anderen zusammen. Um nicht weniger als die Welt umzubauen. Je mehr es tun, desto leichter wird es für andere.
Auch unsere Freundin, unser Freund wird morgen kein anderer Mensch sein. Und doch: Welch andere Chance gibt es, als anzufangen?! Im Kleinen. Im Großen. Nicht als automatisches Wachstum. Aber als Möglichkeit. Als einzige Möglichkeit.

Friederike Habermann porträtierten wir in Ausgabe 3 als »Die ­Halbinselforscherin«. In »Aneinandergekettet«, Ausgabe 17, und »Aus : Tausch«, Ausgabe 44, brachte sie uns neue Begriffe bei.

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