»Sieh, dass du Mensch bleibst. Und das heißt: fest und klar und heiter sein, ja heiter trotz alledem.« – Rosa Luxemburg
Oya-Redaktion, erschienen in Ausgabe #81/2025
Etliche Mitglieder des Oya-Redaktionskreises leben in Gegenden, wo eine in Teilen rechtsextreme Partei bei der Bundestagswahl triumphierte. Von kollabierenden Strukturen zu schreiben, ist das eine, mittendrin zu leben, das andere. Mehr denn je riecht es nach 1933. Was gilt es jetzt zu tun, was zu lassen und was zu bewahren, koste es, was es wolle? Wir suchen Orientierung in Geschichte und Gegenwart:
28. Dezember 1916. Aus der »Sicherungsverwahrung« schrieb Rosa Luxemburg (1871 – 1919) an ihre Freundin, die Politikerin Mathilde Wurm (1874 – 1935): »Sieh, dass du Mensch bleibst. Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. Und das heißt: fest und klar und heiter sein, ja heiter trotz alledem«. Sie trat für Frieden, Selbstorganisation, Gleichwürdigkeit ein – und war als Vogelfreundin innig mit der mehr-als-menschlichen Welt verbunden. Das sind Werte, die auch wir heute in Oya hochhalten. Rosa Luxemburg wurde dafür inhaftiert und ermordet. Bis zuletzt versuchte sie, Mensch zu bleiben.
18. Februar 2025. Als der indigene Aktivist Leonard Peltier nach 49 Jahren politischer Gefangenschaft endlich nach Hause durfte, erklärte er: »Sie haben mich eingesperrt, aber meinen Geist konnten sie nicht gefangen nehmen!«
14. Februar 2025. Auf der 75. Berlinale riet die Schauspielerin Tilda Swinton jungen, künstlerisch Arbeitenden: »Bildet Gemeinschaften, vertraut euren Gemeinschaften und bleibt ihnen treu.« Und auf die Frage, was sie queeren Menschen in Russland, die tagtäglich an Leib und Leben bedroht sind, raten würde: »Wir müssen an die Menschlichkeit auch derer außerhalb unserer Gemeinschaften glauben. Wenn wir andere entmenschlichen, dann ist alles verloren.«
16. Januar 2025. Von Waldbränden wie neuer US-Regierung gleichermaßen geschockt, schrieb die kalifornische Permakultur-Designerin Starhawk in einem Rundbrief: »Lasst uns den Feuerstürmen des Hasses und der Lügen standhalten, für Wahrheit einstehen, füreinander sorgen und uns den herausfordernden Realitäten demütig und hoffnungsvoll stellen.«
18. Januar 2025. Auf Einladung des Vereins »Moving Poets« lasen wir in der NoVilla in Berlin-Schöneweide aus dem frisch gedruckten »Oya-Almanach 2025« Geschichten übers Scheitern in herzlicher Runde aus Lesenden und Beitragenden, etwa Theresa Leisgang und Gerriet Schwen (siehe Bild oben) – am Epochenrand, 500 Jahre nach den Bauernaufständen, unter unbekannten klimatischen Bedingungen, vor denen wir uns populistischer Politik, der drohenden Aushebelung des Asylrechts und kollabierenden Infrastrukturen stellen müssen. Solche Momente sind kostbar in Nischen und Halbinseln des guten Lebens.