enkeltauglich leben
Permakultur

Nutze kleine und langsame Lösungen!

Wissensexkursion Permakultur, Teil 10.von Ulrike Meißner, erschienen in Ausgabe #26/2014
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© Ulrike Meißner

 

Oft hilft es der Entwicklung von Projekten, klein anzufangen – das gilt für die Anlage eines Gartens ebenso wie für den Start einer Bürgerinitiative. Denn kleine Schritte sind besser abzuschätzen, und kleine Fehler lassen sich leichter korrigieren. So starten Gartenneulinge besser auf einem Quadrat­meter leicht überschaubarer Fläche als auf 100 Quadratmetern, die ihnen schnell über den Kopf wachsen. Auch bei Arbeiten im Gelände empfiehlt es sich, einmal klein im Sandkasten oder mit Knetmasse vorzuvollziehen, was der bestellte Bagger an großen Erdmengen bewegen wird.
Ein langsames Vorgehen gibt uns Zeit, um die langfristigen Folgen unseres Tuns abzuschätzen, die über die kurzfristigen Ziele hinausgehen – langfristig statt kurzfristig zu denken ist ein Grundsatz der Permakultur. Dabei wird die Erhaltung der Projekte schon von Anfang an berücksichtigt, denn der Energieeinsatz ist beim Aufbau am größten.
Kleine und langsame Systeme nutzen in der Regel Ressourcen besser aus und produzieren nachhaltigere Erträge. Im Hinblick auf einen zu erwartenden Rückgang der uns zur Verfügung stehenden Energie (Peak Oil) schreibt David Holmgren: »Eine gegebene Menge Energie kann eine große Masse langsam bewegen oder eine kleine Masse schnell, aber nicht beides. Wenn die verfügbare Energie zunimmt, können Systeme größer werden und an Geschwindigkeit zunehmen. Wenn die Energiemenge abnimmt, müssen Systeme schrumpfen oder langsamer werden – oder beides.« Damit ist ein wichtiger Hinweis zur Richtung unserer Kulturentwicklung gegeben, die auch durch viele einfache Tätigkeiten beeinflusst werden kann.
Melliodora, der Lebensort von David Holmgren (siehe Oya 21), bietet viele Beispiele für kleine und langsame Lösungen:
→ Das Bauholz wird von kleinen lokalen Sägemühlen oder transporta­blen Sägewerken geschnitten. Diese verarbeiten die Baumstämme einzeln und bekommen so das Beste aus jedem einzigartigen Stamm heraus.
→ Selbstproduziertes Essen, kombiniert mit gelegentlichem Großeinkauf von Waren, reduziert Transport und Geschwindigkeit deutlich. (Verderbliches Essen, das aus großer Entfernung gebracht wird, braucht einen schnellen Transport.)
→ Die Nutzung von lokal verfügbaren Energieressourcen (z. B. durch passiv solare Bauweise und Holz) veranschaulicht den kleinen Maßstab gegenüber zentralisierten Energieträgern wie Gas und Strom.
→ Hausgeburt und Bildung zu Hause (Homeschooling) befassen sich mit Lebensprozessen, ohne dass großräumige, zentralisierte Medizin- und Bildungsinstitutionen gebraucht werden.
→ Zu Hause betriebene Arbeit, die sich eher für lokale und regionale denn für nationale und globale Belange engagiert, reduziert den Bedarf, über große Strecken und in hohen Geschwindigkeiten zu reisen.
→ Reisen über weite Entfernungen und nach Übersee dienen für lange Aufenthalte und vielfältige Zwecke.
→ Publikationen in kleinen Auflagen machen Informationen über Permakultur verfügbar, die von großen Verlagen mit Massenauflagen nicht bedient werden.
→ Langsam angesparte Rücklagen werden genutzt, um eine graduelle Entwicklung zu finanzieren, statt geliehenes Geld für ein schnelles Wachstum zu ver­wenden.« •

www.permacultureprinciples.com

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