enkeltauglich leben

Damit gutes Leben einfacher wird

von Julia Fuchte, erschienen in Ausgabe #26/2014
Photo

Debatte nach Maß?

Suffizienz heißt, nach dem rechten Maß zu fragen: Wie gehen wir mit Ressourcen und Gütern um? Folgen unsere Ziele wahren Bedürfnissen oder nur Sachzwängen und Wachstumslogik? Für Uwe Schneidewind und Angelika Zahrnt ist Suffizienz der Leitstern für eine neue Politik, die »gutes Leben« einfacher machen soll. Die Zeiten, in denen Politiker sich nicht für Fragen des guten Lebens zuständig fühlten, seien vorbei. Individuelles Handeln und Wohlstand, so die Autoren, lassen sich nicht länger vom Gesamtgesellschaftlichen trennen, denn »gute Politik sorgt dafür, dass die Entfaltung von individueller Lebensführung möglich wird, ohne die Lebensentwürfe anderer einzuschränken.« Dazu brauche es Suffizienz in der Politik – diese bevorzuge nämlich soziale Innovationen gegenüber ressourcenintensiven Techniken, stelle Gleichgewichte wieder her und beziehe dabei möglichst viele Stimmen ein. Das Ziel: Mehr Wohlstand mit weniger Ressourcen.
Aber wie ist das konkret umsetzbar? Die Autoren schlagen dazu vier praktische Zugänge vor, die sie mit dem Kürzel »ERGO« (Ermöglichen – Rahmen – Gestalten – Orientieren) zusammenfassen. Es geht darum, das gute Leben auf verschiedenste Weise zu verwirklichen – etwa, indem die Politik neue Maße für Wohlstand einführt und für mehr Verteilungsgerechtigkeit sorgt. Eine solche Suffizienzpolitik folgt dem neuen Bewusstsein des »Langsamer, Weniger, Näher, Persönlicher«, indem sie Entschleunigung, Entrümpelung, Entflechtung und Entkommerzialisierung betreibt. Das tut sie konkret in den Handlungsfeldern Mobilität, Wohnen und Ernährung sowie in Bildungs-, Verbraucher- und Gesundheitspolitik. Mögliche Maßnahmen dabei sind zum Beispiel weniger Flächenver- brauch, partizipatives Bauen und Wohnen, Bürgerhaushalte, Zukunftskonferenzen oder kollektive und integrierte Verkehrssysteme.
Das Buch will Bürger ebenso wie Unternehmerinnen und Politiker zum Debattieren einladen. Dazu summiert es bekannte Vorschläge aus der Debatte zum gesellschaftlichen Wandel, wie Grundeinkommen, Tempolimits und lokale Landwirtschaft. Für Details und Diskussion ist jedoch nicht der Raum, die Maßnahmen bleiben im Vagen, vor allem die für Bildungs-, Verbraucher- und Gesundheitspolitik.
Damit liegt eine solide Einstiegslektüre vor, die viele Themen einem größeren Kreis von politischen Entscheidern zugänglich macht, in deren Alltag sie tatsächlich noch nicht angekommen sind. Für alle anderen stellt sich jetzt schon die spannende Frage, wie diese Suffizienzpolitik des »guten Lebens« unsere Realitäten und unser Selbstbild verändern und herausfordern wird.

 

Damit gutes Leben einfacher wird
Perspektiven einer Suffizienzpolitik.
Uwe Schneidwind, Angelika Zahrnt
Oekom, 2013, 171 Seiten
ISBN 978-3865814418
12,95 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #26

Photo
(Postwachstums-)Ökonomievon Johannes Heimrath

Agrarindustrie haben alle satt

Jochen, du ziehst die Fäden hinter der ­Demonstration »Wir haben es satt!«, die »Bauernhöfe statt Agrarindustrie« fordert. Was ist dein beruflicher Hintergrund? Ich habe Landwirt gelernt und Agraringenieurswesen studiert. In Süddeutschland war ich

Photo
Permakulturvon Claus Biegert

Wurzelsepp, radikaler!

Der Bauer Sepp Braun will das Übel an der Wurzel packen. Wortwörtlich. Eine Wende zum Guten sieht er nur, wenn wir unsere Verantwortung erkennen und in die Tiefe gehen. Wortwörtlich.

Photo
von Jörn Wiedemann

Einfach. Jetzt. Machen

Höchste Zeit, zu handeln Selten habe ich ein Buch so schnell gelesen. Das neue Werk des Transition-Vordenkers Rob Hopkins macht Spaß. Er kommt schnörkellos auf den Punkt und zeigt Möglichkeiten und Sichtweisen, sich auf die Postwachstums-Ära vorzubereiten. Im ersten

Ausgabe #26
Landwende

Cover OYA-Ausgabe 26
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion