Buchtipps

Prinzessinnengärten (Buchbesprechung)

von Peter Krause-Keusemann, erschienen in Ausgabe #21/2013
Photo

Mitunter scheint das Leben Ideen zu präsentieren, deren Umsetzung eigentlich unmöglich ist. So könnte es sein, dass zwei Leute ohne Geld, ohne Grundstück, ohne Fachwissen und ohne Mitstreite r in nen daran gehen wollen, auf einer verwilderten, kontaminierten, verkehrsnah gelegenen Brachfl äche mitten in Berlin einen Garten für alle anzulegen. Geht nicht? Doch: Am Berliner Moritzplatz ereignete sich das von Begeisterung und Fleiß getragene Wunder der erfolgreichen Ideenumsetzung!

Im vergangenen Jahr ist ein Buch erschienen, das auf fast 250 Seiten nachvollziehbar macht, wie der Prinzessinnengarten Wirklichkeit wurde. Zuerst machten sich nur die besagten Zwei daran, mitten in Berlin eine Oase für alle zu scha en. Am ersten Wochenende nach der Unterzeichnung des Mietvertrags für die 6000 Quadratmeter große Fläche kamen schon 150 Menschen. Nach und nach wurde das Gelände zum mobilen Garten. Den belasteten Boden und dem kurzfristigen Mietvertrag (immer nur für ein Jahr) ist es geschuldet, dass alle Pfl anzungen in Beeten vorgenommen werden, die transportabel sind. In Plastikkisten auf Europaletten gestapelt, kann der gesamte Garten in zwei Wochen seinen Standort wechseln. Das Gelände ist mitten in der Stadt, der Weg dorthin nicht weit. Und dann pulst da das Leben: Kinder lernen den Umgang mit Pfl anzen, junge Leute fi nden ihre Aufgaben ebenso wie die älteren, die zwar nicht mehr die teils schweren körperlichen Arbeiten verrichten können, denen man aber gern Fragen stellt, wenn es um alltägliche (Garten-)Probleme geht. Und für einen gemütlichen Plausch ist immer auch genug Zeit bei einer Tasse Tee aus selbstgezogenen Kräutern. Anders gärtnern in der Stadt funktioniert. Es ist eine ausgezeichnete Form, um Menschen über Generationen und Sozialisationen hinweg zusammenzuführen. Dieser Form großstädtischer Kultur ist eine weite Verbreitung zu wünschen, denn Natur und Mensch werden allerorten auf gesunde Weise davon profi tieren.

Das von mehreren Autoren verfasste Buch ist in besonderer Weise informativ. Einerseits werden die Erfahrungen mit dem Projekt nachvollziehbar, und es gibt viele praktische Tipps von der Gartenpfl ege bis zur Nahrungszubereitung. Andererseits geben ausgezeichnete Fotografi en einen genussvollen Eindruck vom Prinzessinnengarten. Im hinteren Buchteil beschreibt Stefanie Müller-Frank einfühlsam verschiedene Pflanzen, die von Catherine McGuire wunderbar aquarelliert wurden

 

Prinzessinnengärten
Anders gärtnern in der Stadt.
Nomadisch grün (Hg.)
248 Seiten
Dumont Buchverlag, 2012
ISBN 978-3832194369
29,95 Euro

weitere Inhalte aus #21 | Im Ernstfall: Lachen!

Photo
Permakultur

Landwirtschaftliches Biotop mit Mensch

Der Wunsch, selbst auszuprobieren, wie sich Theorie und Wirklichkeit zusammenbringen lassen, war für Jonas und Hermann Gampe der Antrieb, ein eigenes Stück Land zu suchen. Zwischen Würzburg und Aschaffenburg, am Rand der großen Wälder des Spessarts, entsteht nun inmitten von Feldern ein Permakulturpark.

Photo
Aktion & Widerstand

Imagination kennt keine Grenzen

Zum Klimagipfel 2009 wollte auch das Kopenhagener Museum für zeitgenössische Kunst seinen Beitrag leisten. Die begleitende Aus­stellung hieß »Re:think:contemporary art and climate change«. Eingeladen war neben anderen das Künstlerkollektiv »The Laboratory

Photo
Gemeinschaft

Der egalitäre Weg

Während meines ganzen Lebens habe ich mich mit der Erforschung der matriarchalen Gesellschaftsform in Gegenwart und Vergangenheit beschäftigt und wurde so zur Begründerin der modernen Matriarchatsforschung. Diese ist nicht irgendeine nebensächliche, exotische Erscheinung, im

#21 | Im Ernstfall: Lachen!

Cover OYA-Ausgabe 21
Neues aus der RedaktionVerteilstationen