enkeltauglich leben

Shikasta

von Christiane Wilkening, erschienen in Ausgabe #13/2012
Photo

Planet in Not


»Das musst du lesen«, meinte mein Bruder 1980 bei einem seiner Besuche und drückte mir ein englisches Buch in die Hand: »Shikasta«. Gerade aus England zurückgekehrt, machte ich mich an die Lektüre des Buchs von Doris Lessing. Auf Anhieb wollte es sich mir nicht erschließen. Aber highly recommended, wie es war, machte ich einen zweiten Versuch. Nun breitete sich vor mir ein labyrinthisches, faszinierendes Puzzle unterschiedlicher Text- und Stilformen aus, quasi ein »Reader« der Erdgeschichte aus canopäischer Sicht.
Canopus, friedliche und stärkste Macht im Sonnensystem, nutzt den schönsten Planeten der Galaxis, Shikasta – uns bekannt als »Erde« –, seit langem als Labor für die Entwicklung körperlich und geistig fortgeschrittener Menschen. Dies wird in epischer Breite beleuchtet: »Zehntausend Jahre sind für uns keine Zeit, wir denken in viel größeren Zeitbögen«, so Johor, Botschafter von Canopus.
Als von anderen galaktischen Mächten ausgehende chaotische Kräfte überhandnehmen, versuchen Agenten – Inkarnationen von Canopus-Diplomaten – in ihrem Erdenleben die Menschen zu warnen, zu schützen und zu einem besseren, friedlichen und gemeinsamen Handeln zu bewegen – vergebens. Es kommt zur ökologischen Katastrophe. Noch einmal bieten die Abgesandten all ihre Kräfte auf, um die Menschen zu einen: Delegationen der Jugend der Welt treffen sich in einem ausgedörrten, unfruchtbaren Griechenland, um in einem antiken Amphitheater die Macher und Politiker zur Rechenschaft zu ziehen.
Schon 1980, nach Shikasta, hätte Doris Lessing der höchste Literaturpreis zuerkannt werden müssen. Umso verdienter ist der Nobelpreis, den sie im hohen Alter von über 90 Jahren für ihr Lebenswerk erhielt. Seit Jahrzehnten hat die kosmopolitische Autorin in ihrem Werk das, was wir heute als Klimawandel, als Welt und Leben bedrohende Katastrophen erleben, auch in seinen Auswirkungen auf die Seelen und Beziehungen der Menschen drastisch und anschaulich in ihren Ursachen und physischen sowie geistigen Folgen beschrieben. Ihre daraus abgeleiteten Überlegungen für eine Weiterentwicklung der Menschheit lohnen es, jetzt wieder einen Blick in die Bücher von Doris Lessing zu werfen.

Shikasta
Doris Lessing
Hofmann und Campe, 2009
528 Seiten
ISBN 978-3455400656
25,00 Euro


Weiterlesen: Die Experimente von Sirius • Ehen zwischen den Zonen 3, 4 und 5 • Die sentimentalen Agenten im Reich
Volyen • Die Entstehung des Repräsentanten von Planet 8

weitere Artikel aus Ausgabe #13

Gesundheitvon Sarah Schmolling

Endlich schwanger

Woran lag es, dass du zwei Jahre lang nicht schwanger werden konntest? Die Ärzte meinten, meine Gebärmutter wäre vergrößert, und die Bänder würden sie nicht mehr richtig halten, sie drückte auch auf die Nerven im Steißbeinbereich. Mir verursachte

Bildungvon Anke Caspar-Jürgens

Schule macht die Kinder kleiner, als sie sind

 Liv, ich begrüße dich herzlich zum Gespräch über deinen autobiographischen Roman »Schulflucht«. Ich habe das Buch mit sehr viel Berührung gelesen. Es ist ja die Geschichte einer Schulverweigerung. Ja, Klara stieg Ende des siebten Schuljahrs aus, ging

Photo
von Erik Meininger

Die empathische Zivilisation

(Zu) Viel Empathie Der Mensch als ein vornehmlich soziales, kommunikatives und mitfühlendes Wesen – das ist das Bild, das der Zukunftsforscher, Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin in seinem Buch »Die empathische Zivilisation« zu zeichnen versucht. Seine zentrale

Ausgabe #13
Wärme

Cover OYA-Ausgabe 13
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion