Partizipation der Vielen
Es ist an der Zeit, mehr Räume für grenzüberschreitende Begegnungen der engagierten, globalen Zivilgesellschaft zu schaffen. Erste Ansätze sind schon zu sehen.

Finger weg von diesem Buch … falls Sie der Überzeugung sind, Kardiologe und Kabarettist, Punk und Oberbayer, kleinkarierter Grantler und anarchisches Gesamtkunstwerk schlössen einander kategorisch aus; ebensowenig wird es Ihnen vermutlich gefallen, falls Sie schon einmal bei einem Konzert des bayerisch-dadaistischen Liedermachers Georg Ringsgwandl waren und sich gelangweilt trollten, als er Geschichten über die Rotzfahnen des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer zum besten gab, von Blitzziegen und Smaragdbaumnattern erzählte, von Fliesenlegern mit Fliesenallergie, die zum volkstümlichen Schlagerstar umschulen, oder von einer Frau namens Hummelbrunnerova-Ratzejewitsch-Jensenson-Sigmundsdottirsdottir-Al-Alahwil-Ibn-Alamein-Gonzaga-y-Gonzales-Sanchez-Aranciata-Estragon-Olivera-y-Vino-Tinto-Stoiber; oder falls Sie der Meinung sind, keinesfalls dürfe man sich lustig machen über Kropfchirurgie, über Null-Energie-Haus-Bewohner, über vegetarische Mütter mit fleischfressenden Kindern, über Frauen, die ihre Männer in Anti-Gewalt-Kurse schicken, und Männer, die sich von ihren Frauen in Anti-Gewalt-Kurse schicken lassen; falls Sie eine dezidierte Abneigung hegen gegen dialektal gefärbte, politisch absolut unkorrekte, dafür aber umso komischere Alltagssatire, die Karl Valentin, Georg Kreisler oder Herbert Achternbusch alle Ehre macht; falls sie detaillierte Berechnungen über die Wirtschaftlichkeit eines (in Ziffern: 1) Walnussbaums nicht als die Absurdität von Behördensprache und Verwertungslogik entlarvende Satire, sondern als unsinnigen Quatsch betrachten; falls es Ihnen beim Gedanken an eine Melange des Boandlkramers aus dem »Brandner Kaspar« und des Punk-Fossils Iggy Pop kalt den Rücken runterläuft oder Sie absolut immun sind gegen bösartige, kratzbürstige, schräge und dennoch liebenswerte, aus dem Leben gegriffene Geschichten, die ein ganzes Schatzkästchen an in schwarzer Galle gebadeten Weisheitsperlen enthält – dann wird Ihnen Georg Ringsgwandls Buch vermutlich keine Freude bereiten, und Sie sollten besser die Finger davon lassen. Andernfalls sei es Ihnen hiermit wärmstens ans Herz gelegt.
Das Leben und Schlimmeres
Hilfreiche Geschichten.
Georg Ringsgwandl
Rowohlt-Verlag, 2011, 256 Seiten
ISBN 978-349962753
9,99 Euro
Weiterlesen: Funny van Dannen: Neues von Gott, Peter Licht: Wir werden siegen!, Zé do Rock: Fom Winde ferfeelt
Es ist an der Zeit, mehr Räume für grenzüberschreitende Begegnungen der engagierten, globalen Zivilgesellschaft zu schaffen. Erste Ansätze sind schon zu sehen.
Von Anfang 2009 bis April 2011 begleitete ich meinen Lebensgefährten, der als Agrarökonom für ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist, mehrfach nach Ghana. Insgesamt verbrachte ich fünf Monate in der Hauptstadt Accra, dem wirtschaftlichen Zentrum des
Arne, mit der Internetplattform jenapolis.de strebt ihr an, in Jena die Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung und Kommunalpolitik zu verbessern. Wie kam dieses Projekt zustande?Als ich im Herbst 2008 Jenapolis gründete, war ich freiberuflich als