enkeltauglich leben

Wachsen! Über das Geistige in der Nachhaltigkeit (Buchbesprechung)

von Lara Mallien, erschienen in Ausgabe #5/2010
Photo

Das neue Buch »Wachsen! Über das Geistige in der Nachhaltigkeit« der Kulturwissenschaftlerin Hilde- gard Kurt wagt sich so weit vor wie kaum ein anderes Werk zur Diskussion über Nachhaltigkeit und den kul- turellen Wandel in dieser Zeit. Auf gewisse Weise führt es Kandinskys wegweisende Schrift »Über das Gei- sitge in der Kunst« fort. Wir müssen zu einer mensch- lichen Gesellschaftsformen finden, und »menschlich« werde es erst jenseits des anthropozentrischen Ho- rizonts, wenn sich das soziale Bewusstsein auch auf alle übrigen Lebewesen und schließlich auf die Erde ausweite, postuliert Hildegard Kurt in ihrer Einfüh- rung. Dieses Ausweiten ist ein Aspekt des Wachsens, von dem der Buchtitel spricht.
Das Buch belässt es nicht bei der Theorie, sondern erlaubt tiefe Einblicke in die Praxis wahrhaft nachhal- tiger, zukunftsweisender Arbeiten. Da ist zum Beispiel der Schweizer Künstler George Steinmann, der die Renovierung einer verfallenen Kunsthalle in der est- nischen Hauptstadt Tallinn nicht zu einem Bauprojekt, sondern zu einer »nachhaltigen, geistigen Skulptur« macht. Das »Geistige« ist dabei nichts Abgehoben- Jenseitiges, sondern der vielschichtige Prozess zwi- schen Kunst, Wirtschaft, Diplomatie, Kulturpolitik und praktischer, ökologisch orientierter Umsetzung. Der Wandel hin zu einer Welt, in der auch unsere Kinder noch eine schöne Heimat finden, verlangt eben wei- che, geistige Qualitäten wie Empathie, Intuition, die Fähigkeit zur Imagination und Liebe zur Welt.
Jedes Kapitel beginnt mit Geschichten über persönliche Erfahrungen der Autorin, sei es die Be- gegnung mit der Wachstumskraft einer Pflanze beim Putzen von Lauch in einer Gemüsegärtnerei oder ihre Betroffenheit nach einer Filmvorführung über den gnadenlosen Raubbau an den finnischen Wäldern, wo für die Holzkonzerne anstelle von Lebendigkeit nur der »Rohstoff« Natur zählt. Ausgehend von persön- licher Berührtheit unternimmt sie weite Ausflüge in die Kunstgeschichte und Wissenschaftsphilosophie. Dort spürt sie den Impulsen nach, die sich bereits seit Goethe und Schiller darum bemühen, Licht in die »Finsternis der Moderne« zu bringen. Sie diskutiert über Wissenschaft, Liebe und Schönheit mit Zitaten der klügsten Denkerinnen und Denker unserer Zeit und zeigt, dass die Annäherung an das »Geistige« kei- nesfalls mit einem intellektuellen Tabu belegt zu sein braucht. Ihr Buch unterstützt das Denken ebenso wie das Fühlen. Es spricht aus, was in vielen Menschen als vages Gefühl für die »richtige Richtung« bereits gärt. Dieses Gefühl in einfühlsamen, klaren Worten in einem klugen Buch beschrieben zu bekommen, ist ein
wunderbares Geschenk. 

Wachsen! Über das Geistige in der Nachhaltigkeit
Hildegard Kurt
Johannes Mayer Verlag, 2010,
224 Seiten
ISBN 978-3867830355
19,80 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #5

Lebenswegevon Wolfram Nolte

Fühlen wie ein Wald

Susanne Fischer-Rizzi, bekannt als Wildnislehrerin, war ich viele Jahre nur in ihren zahlreichen Büchern begegnet. Mich verblüffte die Spannweite ihrer Themen: von »Himmlische Düfte« über die »Medizin der Erde« bis hin zu »Geheimnisvolle Beziehung zwischen Mensch und Tier«. Und jüngst noch der Renner »Wilde Küche« über das Kochen am Feuer. Wer ist diese wilde Frau, die so viel mitzuteilen hat?

Naturvon Shanti Eberhard Petschel

Schmetterlingszeit

A ls Teil eines Übergangsrituals von einem Lebensabschnitt zum nächsten fastend einige Tage allein in der Wildnis zu verbringen, war in sehr vielen traditionellen Gesellschaften eine hilfreiches, aber auch heraus forderndes Mittel zur Selbsterfahrung und Sinnfindung. Shanti Petschel gehört zu den Pionieren, die dieses archaische Ritual aufgreifen und für heutige Jugendliche zugänglich machen.

Photo
von Christine Simon

Krebszellen mögen keine Sonne (Buchbesprechung)

In diesem Buch stellen der Präventionsmediziner Jörg Spitz und der Vitamin-D-Experte William B. Grant neue Forschungsergebnisse über die seit Urzeiten bekannte positive Wirkung des Sonnenlichts vor. Die Angst des modernen Menschen vor Hautkrebs halten die Autoren für

Ausgabe #5
Ungezähmt

Cover OYA-Ausgabe 5ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion