enkeltauglich leben

LoveStar. (Buchbesprechung)

von Matthias Fersterer, erschienen in Ausgabe #3/2010
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Bevor Andri Snær Magnason „Traumland“, sein Selbsthilfehand- buch zur isländischen Krise verfasste, schrieb er mit diesem irrwitzigen Science-Fiction-Roman eine Persiflage auf Machbar- keitswahn und Technikgläubigkeit: Island ist zum weltgrößten Vergnügungspark und zur Schaltzentrale der Welt mutiert. Das Megaunternehmen LoveStar hat ein totalitäres Werberegime mit quasi-religiösen Zügen errichtet. Liebe, Tod und Geburt wurden monopolisiert, Wahlen zugunsten einer Demokratiemaschine abgeschafft und die Gehirne mit Kommunikationsimplantaten ausgestattet. Das Perfide: Dies alles lassen die Menschen freiwil- lig über sich ergehen. Bei einem gigantischen Festival sollen eine Million Tote in den Himmel geschossen werden, um sternschnup- pengleich in der Atmosphäre zu verglühen. Derweil begibt sich ein größenwahnsinniger Unternehmenschef auf die Suche nach Gott. Ob das gutgehen kann?
Die Fantasie des Autors schlägt wilde Kapriolen, und doch: Diese Welt unterscheidet sich nur um überspitzte Nuancen von der unseren.
Ein paar Stellschrauben anders gedreht, und schon könnte sie Wirklichkeit werden. Dass im archaisch-urgewaltigen Finale die Liebe in nicht-manipulierter Form obsiegt und am Beinahe-Ende der Welt ein Samen für eine neue gepflanzt wird, lässt Raum für Hoffnung. Eine haarsträubend-komische Schreckensvision, die
als Warnung dienen kann. 

LoveStar.
Andri Snær Magnason, Lübbe, 2010,
299 Seiten,
ISBN 978- 3785760284,
13,99 Euro

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