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Das kleine Glück möchte abgeholt werden (Buchbesprechung)

von Christina Trees, erschienen in Ausgabe #41/2016
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»Das kleine Glück möchte abgeholt werden« von Gina Schöler ist mit seinen 222 kurzen Geschichten seit September im Buchhandel erhältlich – und das ist ein Glück für alle, die zwischendurch immer wieder ein paar Impulse gebrauchen können, um so etwas Wesentliches wie das Glück in sich selbst und um sich herum richtig spüren zu können!
In Ausgabe 21 berichtete Oya über die selbsternannte Glücksministerin Gina Schöler, die im Rahmen ihres Kommunikationsdesign-Studiums ein Projekt ins Leben rief, das sie seitdem nicht mehr losgelassen hat. Der Entwurf einer Kampagne, die einen Wertewandel in der Gesellschaft hervorruft, war Teil einer Aufgabenstellung – und diese Aufgabe macht offenbar ziemlich glücklich. Inzwischen hält Schöler Impulsvorträge im ganzen Land, veranstaltet Schulworkshops oder Glücksevents und versucht auf diese Weise, die Welt ein bisschen glücklicher zu machen bzw. – wie es in Bhutan tatsächliche Aufgabe eines Ministeriums ist – »das Bruttonationalglück zu steigern«. Doch das ist es nicht, worüber sie in ihrem Buch berichtet.
Dieses enthält vielmehr kleine persönliche Geschichten; die meisten handeln von ihrem ganz privaten Leben. Dazwischen (deutlich erkennbar in anderen Schriftfarben) stehen immer wieder Glückserzählungen und -anregungen von »Fans« ihres Projekts oder anderen »Freunden des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden«, darunter Gerald Hüther, Eckart von Hirschhausen sowie Psychologen, Unternehmerinnen, Politiker und Glücksexperten unterschiedlicher Art. Allen Inspirationen ist gemeinsam, dass sie sehr konkret sind und aus dem Leben der schreibenden Personen stammen.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich seitenlang Glücksbotschaften in mich aufnehmen könnte, doch einmal angefangen, lässt mich das Buch kaum mehr los. Die liebevoll erzählten Beiträge über Schokopudding, den Entschluss, einen Hund aufzunehmen, Essen mit den Fingern oder einen Dankesbrief an den Bruder machen bereits beim Lesen glücklich, und sehr oft habe ich beim Lesen Tränen der Rührung in den Augen. Dann ist es gut, das Buch zur Seite und selbst loszulegen. Es ist nicht zum passiven Überfliegen des Glücks anderer gedacht, sondern zum Schärfen des Blicks aufs eigene Leben.
So ist das Buch ideal, um das Glück in den vielen kleinen Momenten des Lebens selbst zu erspüren und dann mit offenem Herzen für weitere derartige Momente zu sorgen. Vielleicht werde ich gleich an einer Pusteblume pusten, einen fremden Menschen anlächeln oder jemandem eine handgeschriebene Karte schicken. Den Fallschirmsprung hebe ich mir lieber für einen anderen Tag auf – auch wenn ich ahne, dass Mut sehr glücklich macht. ◆ 


Das kleine Glück möchte abgeholt werden
222 Anstiftungen vom Ministerium für Glück und Wohlbefinden.
Gina Schöler
Campus-Verlag, 2016
233 Seiten
17,95 Euro

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