Titelthema

Moische Schagalows Enkel

von Matthias Schumann, erschienen in Ausgabe #46/2017
Photo
© Matthias Schumann

Marc Chagall wurde als Moische Chazkelewitsch Schagalow 1887 in der weißrussischen Vitebsk ­geboren. Das kleinstädtische jüdische Leben hielt er in einigen seiner eindrucksvollsten Werke wie »Der Fiedler«, »Ich und das Dorf« oder »Spaziergang« fest. Gemeinsam mit Kasimir Malewitsch und El Lissitzky schrieb Chagall Kunstgeschichte, als er 1919 mit der Gründung der Kunstschule eine ­eigene »Vitebsker Moderne« kreierte. Diese seit dem Zweiten Weltkrieg für immer verschwundene Welt wurde auf dem Set zu einem Film über Chagall wieder zum Leben erweckt. Das Filmdorf nutzt Teile
eines alten Dorfkerns nahe dem Stadtzentrum. Die beiden grüßenden Männer sind Statisten, die Pause machen. In Vitebsk erlebte ich, was mich an Südosteuropa immer wieder fasziniert: das Nebeneinander von verschiedenen Zeitschichten und Lebensstilen, die Parallelität traditioneller, ländlicher Lebens­weisen und am Westen ausgerichteten, urbanen Lebens, das sich nicht von unserem unterscheidet.

Matthias Schumann hat die »Galerie Neue Osten« in Dresden mit aufgebaut, die sich besonders Fotografinnen und Fotografen aus Ost- und Südosteuropa widmet. www.monofoto.de

weitere Inhalte aus #46 | Erzählen

Photo
Permakultur

Die Wildnis ganz nah

Wie können wir Wohn- und Arbeitsgebäude so gestalten, dass sie sowohl für uns als auch für zahlreiche Fledermaus- und Vogelarten schön und lebenswert sind? Als direkte Kultur­folger des Menschen leben diese Tiere gerne in den von uns geschaffenen Strukturen. Sie sind

Photo

Windsichten

Siesta – um die Mittagszeit komme ich in Salinas de Garcí Mendoza an. Das während der Trockenzeit ausgedörrte Land der bolivianischen Hochebene wirkt dadurch besonders ausgeräumt. Auf einer leeren Landstraße stiefle ich aus dem Dorf hinaus. Ich habe einen salzigen,

Photo

How soon is now? (Buchbesprechung)

Auf den ersten Blick ist das neue Buch von Daniel Pinchbeck nur eine weitere Stimme im massentauglichen Wir-müssen-endlich-handeln-Kanon. »Wie lange wollen wir noch warten?« fragt der Philosoph und Bestsellerautor im Titel und verwendet dann zunächst hundert Seiten darauf, die

#46 | Erzählen

Cover OYA-Ausgabe 46
Neues aus der RedaktionVerteilstationen