Heimat ist Allmende
»Das ist ›mein‹ Zuhause« – ein alltäglicher Satz. Warum eigentlich »mein« Zuhause? Ist das ein persönlicher Besitz? Ist es ein Raum, der in erster Linie vor anderen, die womöglich stören, geschützt werden muss? Je öfter ich
Das Buch »Leben in Kooperation« von Matthias Möller untersucht Aufschwung und Niedergang der sozialreformerischen Mustersiedlung Freidorf am Stadtrand von Basel. Diese wurde im Mai 1919 gegründet und zügig erbaut. Um ein Genossenschaftshaus gruppierten sich Wohnblöcke mit Gärten zur Selbstversorgung. Nach kurzer Zeit lebten dort über 600 Menschen. Das Projekt entsprang der Konsumgenossenschaftsbewegung, die damals eng mit der Arbeiterbewegung verbunden war, und wurde aus ihr heraus finanziert. Die Gründer hingen sozialreformerischen Idealen an, die sie in ein Konzept fassten, das von den Bewohnerinnen und Bewohnern akzeptiert werden musste. Diese sollten durch gute Wohnverhältnisse, ergänzt durch umfangreiche Versorgungsangebote, zu besseren Menschen erzogen werden. Sie waren verpflichtet, in genossenschaftseigenen Läden einzukaufen und ehrenamtlich in Kommissionen für kulturelle Angebote, Maßnahmen zur Gesundheitspflege, Aufsicht über Läden und Grundstücke etc. mitzuarbeiten. Ein reges Vereinsleben schuf Gemeinschaft.
Die ganze Gesellschaft sollte durch konzentrische Kreise verändert werden: im Mittelpunkt die Familie, dann die Nachbarschaft und die Gemeinschaft. Finanzielle Überschüsse sollten weitere Siedlungen ermöglichen. Im Mittelpunkt stand die sorgende Hausfrau. Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg mit zunehmender Technisierung, Individualisierung und weiblicher Berufstätigkeit führte zur Krise des Freidorfs. Es verlor seinen sozialreformerischen Charakter, besteht jedoch bis heute als Wohnungsgenossenschaft.
Anschaulich und detailreich zeichnet der Autor die Entwicklung von der Gründungseuphorie über die Etablierung gemeinschaftlicher Versorgungsstrukturen bis zum schrittweisen Niedergang nach. Das Buch ist nicht nur ein spannender Bericht aus der Vergangenheit, sondern gibt auch Anregungen für heutige Gemeinschaften. Trotz vieler Unterschiede stellen sich auch heute ähnliche Fragen wie damals für Projekte, die den gesellschaftlich üblichen Wohnformen etwas anderes entgegensetzen möchten. Wie können gemeinschaftliche Strukturen den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen und Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner so angepasst werden, dass sie weiterhin solidarisch und tragfähig funktionieren? Wie können Ideale und Erfahrungen der ersten Generation an neu Hinzukommende so weitergegeben werden, dass diese sich nicht kritisiert oder ausgegrenzt fühlen? Wie können Konflikte kollektiv ausgehandelt werden, damit sich nicht immer mehr Einzelne still und enttäuscht zurückziehen? Das Buch regt an, aus den Fehlern des Freidorfs zu lernen.
Leben in Kooperation
Genossenschaftlicher Alltag in der Mustersiedlung Freidorf bei Basel (1919–1969).
Matthias Möller
Campus, 2015, 286 Seiten
ISBN 978-3593504865
34,90 Euro

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Betrachtet man die Geschichte der kultivierten Landschaft und die Entwicklung der Anzahl von Tier- und Pflanzenarten, so zeigt sich, dass der Mensch – zumindest bis zur Industrialisierung – sich durchaus positiv auf das Vorkommen anderer Lebensformen ausgewirkt hat. Viele Arten konnten

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