enkeltauglich leben
Buchtipps

Das gute Leben für alle

von Anja Marwege, erschienen in Ausgabe #55/2019
Photo

sich immer mehr als eine der grundlegenden Perspektiven aus, die viele Menschen einnehmen, die im Hier und Jetzt nach Alternativen suchen. So tut es auch das I.L.A. Kollektiv, das in seinem neuen Dossier eine Lebensweise in den Fokus rückt, die Solidarität als Wesenszug trägt.
In ihrem Anfang 2019 erschienenen Buch beschreiben die Autorinnen und Autoren Konturen einer solidarischen Lebensweise anhand von fünf Prinzipien: Demokratisierung, Commoning, ReProduktion, Depen-
denz und Suffizienz. Sie geben einen brandaktuellen Überblick über gelebte Praktiken sorgender Arbeit, solidarischer Lebensmittelproduktion sowie entkommerzialisierter Wohnraumkonzepte und beschreiben noch weitere Beispiele aus anderen Lebensbereichen. Das I.L.A. Kollektiv ist, in zweiter Generation, eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam ein Jahr lang geforscht haben. Fragten ihre Vorgänger und Vorgängerinnen »Warum haben wir und alle anderen Menschen nicht das Recht, auf Kosten anderer zu leben?«, so wurde beim letzten Bildungsprojekt des Vereins »Common Future« nach Prinzipien, Prämissen und Projekten solidarischer Lebensweisen als Antworten auf die domi­nante imperiale Lebensweise gesucht. Die weit­gehend selbstorganisierte Lernwerkstatt legt selbstkritisch auch die eigenen Lebenswelten offen, erkennt eigene blinde Flecken und hinterlässt manche Leerstellen, statt ­immer eine Antwort parat zu haben. Das Buch nimmt zum Beispiel bei der Projektauswahl eine eher junge, urban geprägte Perspektive ein.
Während des Forschungsprozesses habe ich die Gruppe in einem gemeinsamen, organischen Schreibprozess begleitet und Inspirationen aus der Redaktionsarbeit von Oya eingestreut. Im Laufe des Jahres reiften Gedanken, Texte und Darstellungsformen. Die stark wissenschaftlich geprägte Arbeitsweise erhielt über die Zeit auch poetisch-literarische Züge. Eine anschauliche Sprache markiert die Handschrift der Suchenden. Entstanden ist ein Einsteigerbuch.
Das Format macht Schule: Ähnlich dem Fleischatlas wählten die Autorinnen und Autoren ein Großformat und machten ihre Schrift so zu einem Lesebuch mit Nachschlagefunktion.
Wer Oya begleitet, dem kommt sicherlich vieles bekannt vor. Doch wer neu ist in diesem Metier, wird für solch eine leichte, bunte Zusammenführung ganz wesentlicher Züge einer Lebensweise, die im Einklang mit der Planetin steht, dankbar sein. Das Buch passt auf Geburtstagstische von Geschwistern ebenso wie in Seminarlektüren und taugt als Leseempfehlung im Nachgang eines Gesprächs mit der staunend-interessierten Tante.
 

Das gute Leben für alle
Wege in die solidarische Lebensweise.
I.L.A. Kollektiv (Hg.)
Oekom, 2019, 128 Seiten
ISBN 978-3962380953
 20,00 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #55

Photo
von Georg Gerwing

Freie Stücke

Das Buch »Freie Stücke« zum Thema »Consent« (Einverstandensein) ist so divers, wie die Auseinandersetzung mit diesem Thema nur sein kann und muss. 15 Autorinnen und Autoren aus dem Umfeld des Berliner Missy-Magazins schreiben über Selbstermächtigung durch

Photo
von Andrea Vetter

Eine bunte und breite Palette

Das deutschlandweite Bündnis »#unteilbar« hat sich 2018 mit dem Ziel gegründet, eine Demonstration für eine offene und solidarische Gesellschaft im Oktober 2018 in Berlin zu organisieren. Bei #unteilbar sind zahlreiche Gruppen und Hunderte Einzelpersonen aktiv, Menschen

Photo
Die Kraft der Visionvon Silke Helfrich

Commons und Sein

Beim Nachdenken über die praktische Welt der Commons sind uns zwei Dinge klargeworden: dass das, was all diese Beispiele verbindet, auf einer tieferen Ebene liegt – der Ebene des Seinsverständnisses – und dass wir für das Besondere an Commons im Wortsinn sprachlos sind.

Ausgabe #55
Gemeinschaffen - wie geht das?

Cover OYA-Ausgabe 55
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion