Titelthema

Rotha – auf dem Weg zum Rosendorf

Aus dem »Mosaik des guten Lebens«.
Photo
© privat

Als Ortsbürgermeisterin des Dorfs Rotha in der Gemeinde Sangerhausen im Südharz, als Vorsitzende des örtlichen Landfrauenvereins sowie als freie Referentin für Permakultur und Naturpädagogik stelle ich mir aus ganz verschiedenen Blickwinkeln die Frage, wie wir unsere Böden und Landschaften regenerieren können.
Augenöffnend war für mich die Bekanntschaft mit »Effektiven Mikroorganismen« (EM). Seit ich 1997 ein Buch von ­Teruo Higa gelesen habe, arbeite ich eng mit diesen wirksamen Kleinstlebewesen zusammen. In Absprache mit den kommunalen Behörden versprühe ich auf öffentlichen Grünflächen EM und bringe sie in Verbindung mit dem, was da ist – etwa mit Rasenschnitt, der auf diese Weise schnell anfermentiert. Dieses »ökologische Grünflächenmanagement« spart Zeit, Arbeit und bares Geld: Der Bauhof muss den anfallenden Grünschnitt nicht entsorgen, sondern kann derweil die Wege sanieren – und es müssen keine giftigen Pestizide oder Kunstdünger ausgebracht werden. In einem kleinen Dorfweiher, der eigentlich alle zwei Jahre beräumt werden müsste, versenke ich mit EM versetzte »Teicheier« aus Lehm, Pflanzenkohle und Zeolith. Dadurch ersparen wir uns die Teichreinigung, und die Seerosen gedeihen wunderbar! Weil mein Tun sichtbare Erfolge zeigt, stoße ich auf wenig Widerstand der Dorfbevölkerung und auf viel Einsicht, wenn ich erkläre, warum es sinnvoll ist, Bakterien nicht zu bekämpfen, sondern sich mit ihnen zu arrangieren.
Schon seit meiner Kindheit im Erzgebirge frage ich mich: Warum ist im Wald, wo keiner etwas tut, der beste Boden und Wasserspeicher? – Was ist das Geheimnis der Natur? Heute bin ich Erfahrungswissenschaftlerin im eigenen Auftrag und ­arbeite viel mit Versuch und Irrtum, um unser Dorf schöner zu ­machen. Unser Motto ist: »Auf dem Weg zum Rosendorf« – Ziel ist es, ­Rotha so ansprechend zu gestalten, dass Besucherinnen und Besucher sich fragen: »Warum ist es hier so schön? Was ist hier anders?« – Eines unserer Geheimnisse ist eben die Zusammenarbeit mit den Kleinstlebewesen!  
Dorothea Süß

dorotheasuess_ÄT_freenet.de

weitere Inhalte aus #59 | Schöne neue Welt?

Photo

Kulturwerkstatt »Ins Blaue« in Remscheid

Die Arbeitersiedlung aus den 1920er Jahren galt früher als Kommunistenviertel, später bekam sie die Bezeichnung »Klein-Istanbul«. Heute ist der Honsberg ein Stadtteil Remscheids mit viel Leerstand, aber auch Potenzial. Umgeben von viel Grün, gibt es keinen

Photo

Burg Klempenow – kultureller Leuchtturm

Wir, der Kultur-Transit-96 e. V., betreiben als gemeinnütziger Verein einen Ort für Kunst, Kultur und Denkmalpflege: Burg Klempenow. Die älteste Niederungsburg Norddeutschlands steht als kultureller Leuchtturm auf einer Schwemmsandinsel und wird seit 28 Jahren mit viel Liebe

Photo

Humboldthain – gutes Leben zu jeder Zeit

Anfang Mai wanderte ich durch den Berliner Humboldthain, einen auf zwei Trümmerbergen angelegten Park mit großen Wiesen und hohen Bäumen, verschieden gestalteten Orten, die zum Verweilen einladen, und auch vielen Bereichen, an denen die Pflanzen einfach wachsen dürfen. Es war

#59 | Schöne neue Welt?

Cover OYA-Ausgabe 59
Neues aus der RedaktionVerteilstationen