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Kapitalismus und dann? (Buchbesprechung)

von Gerhard Breidenstein, erschienen in Ausgabe #17/2012
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Seit Beginn der Finanzkrise ist Kapitalismuskritik wieder »in«. Dass die kapitalistische Wirtschaftsweise die großen Zukunftsprobleme – Massenarmut, Ressourcenverknappung samt entsprechender Kriege und Umweltzerstörung – (als deren Verursacher) unmöglich lösen kann, ist inzwischen laut Emnid-Umfrage 88 Prozent der Deutschen bewusst.  Auch der einstige Gegenentwurf »Staatssozialismus« (der eigentlich ein Staatskapitalismus war) hat seine Untauglichkeit längst selbst bewiesen. Also »Weiter so!« bis zum Zusammenbruch?
Die Autoren des vorliegenden Buchs setzen eine kraftvolle Alternative. Sie propagieren mit dem Begriff »Solidarische Ökonomie« nicht nur ein neues Schlagwort. Sie sprechen für die »Akademie Solidarische Ökonomie«, einen Zusammenschluss von Experten und Laien, die seit 2008 intensiv an der Frage arbeiten, was nach dem Kapitalismus kommen könnte. Ihre vorläufigen Ergebnisse wurden vor einem Jahr auf einer gut besuchten Tagung in Berlin vorgestellt und nun in diesem Buch zusammengefasst. Dieser ist, so wird betont, kein fertiges, abgeschlossenes Konzept, sondern der vorläufige Entwurf einer »lebensdienlichen, solidarischen und zukunftsfähigen Ökonomie«, freilich mit dem Anspruch einer »realen Utopie«.
Sie wollten nicht die x-te Kapitalismusanalyse verfassen, mussten aber doch im ersten Kapitel noch einmal skizzieren, warum der Kapitalismus eine Sackgasse ist. Denn erst von daher bekommt im zweiten Hauptteil die »Vision einer Ökonomie im Dienst des Menschen« ihre Dringlichkeit, ihre Richtung und die Kriterien ihrer Stimmigkeit. Sie soll ja die Grundparadoxien unserer gesamten Kulturepoche überwinden. Folgerichtig spielt das Menschenbild eine zentrale Rolle: Sind wir Menschen wirklich »von Natur aus« auf Konkurrenz und materielles Gewinnstreben programmiert, oder sind wir nicht ebenso, vielleicht sogar ursprünglich auf solidarische Kooperation angelegt?
In den weiteren Kapiteln geht es um Alternativen zum »Mythos Markt«, zum bisherigen Finanzwesen, zur kapitalistischen Eigentumsordnung. Der neoliberalen Globalisierung wird eine »ökosoziale Globalisierung und Regionalisierung« entgegengestellt, eine »partizipatorische Unternehmensverfassung« und eine »Reproduktionsgenossenschaft« werden ebenso skizziert wie eine »neue Arbeits- und Sozialkultur«. Schließlich weichen die Autoren auch nicht der Frage aus, wie wir denn aus der jetzigen, noch immer übermächtigen Gesellschaftsstruktur in eine ganz andere hin­überkommen sollen. All die wertvollen Details dieser Kapitel machen deutlich, dass dem Buch ein gründlicher Diskussionsprozess vorausging. Allerdings ist dies nur ein Zwischenbericht, und die Arbeit soll weitergeführt werden (siehe: akademie-solidarische-oekonomie.de).


Kapitalismus und dann?
Systemwandel und Perspektiven gesellschaftlicher Transformation.
Harald Bender, Norbert Bernholt, Bernd Winkelmann
oekom Verlag, 2012, 244 Seiten
ISBN 978-3865813046
19,95 Euro

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