enkeltauglich leben

Jedem sein Grün

von Ulrike Meißner, erschienen in Ausgabe #16/2012
Photo

Grün, grün, grün

Die 2010 absolvierte Ausbildung zum Permakulturpraktiker mit Sepp Holzer hat im Leben von Judith Anger, Immo Fiebrig und Martin Schnyder positive Veränderungen ausgelöst. Unter anderem ist daraus ein Buch entstanden. Mit »Jedem sein Grün!« geben sie etwas von der »positiven Vision für Veränderung«, als die sie Permakultur umschreiben, »mitsamt dem Bewusstsein für die Zusammenhänge unseres Systems sowie der Lust auf Selbstverantwortung und Selbstbestimmung« weiter.
»Jedem sein Grün« wurde geschrieben für all jene, die bisher ohne Garten oder gärtnerische Erfahrung lebten und die im urbanen Umfeld nach Möglichkeiten der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse suchen.
Nach mehreren Vorworten und der Einleitung startet das Buch mit einer kurzen Geschichte der Permakultur und stellt deren Pioniere Bill Mollison, David Holmgren, Sepp Holzer, Joe Polaischer und Masanobu Fukuoka vor – ein schöner Ansatz, der in dieser Form selten zu finden ist. In den weiteren Kapiteln ist der Einfluss von Sepp Holzer jedoch nicht zu übersehen. Warum sich die Lektüre lohnt, bemerkt man schon bald, wenn man der Einladung, sich einzulassen und selbst wahrzunehmen, folgt. Fotos von heute so alltäglichen und nicht immer schönen und naturnahen Stadtansichten stehen für sich selbst.
Danach geht es flott weiter zum Hauptanliegen der Autoren. Sie »möchten mit guten Ideen anstecken und weitere Ideen erzeugen«. Mit real existierenden Beispielen wie dem Hydrokultur-Balkongeländer auf einer Südseeinsel, in dem Salat und Co. wachsen, oder dem französischen Barockgarten, in dem, eingefasst von Buchsbaumhecken, Gemüse statt reinem Zierbewuchs gedeiht, wird schnell klar, dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.
Doch es geht auch weniger exklusiv: Das soeben erschienene Buch lenkt einen frischen, aktuellen Blick auf verschiedene, zum Teil junge Praxisprojekte.
Zur guten Mischung des Buchs verhelfen die zahlreichen eingefügten Praxistipps, die teilweise projektbezogen zeigen, wie fürs Bepflanzen scheinbar ungeeignete Flächen zu Gärten umgewandelt werden können. Ob Balkon, Fassade oder Dach, Einkaufswagen oder Hochbeet, irgendwie lässt sich (fast) alles bepflanzen, Dächer lassen sich mit Bienen bestücken, Balkone mit Wurmfarmen, schattige Ecken mit Baumstämmen zur Pilzzucht. Damit der absolute Gartenanfänger auch das nötige Grundlagenwissen mitbekommt, gibt es am Ende auch noch ein wenig »Pflanzenlatein« mit auf den Weg.
Das einzige, an dem es diesem Buch offensichtlich mangelt, ist eine Übersicht über Fortbildungsmöglichkeiten in der Permakultur im letzten Kapitel.

Jedem sein Grün
Urbane Permakultur: Selbst­versorgung ohne Garten
Judith Anger, Immo Fiebrig, Martin Schnyder
Kneipp Verlag, 2012
168 Seiten
ISBN 978-3708806273
14,99 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #16

Photo
von Anja Humburg

Vom Gärtnern in der Stadt

Urbane Landlust Stiefmütterchen-Plantagen durchbrechen vielerorts das Grau städtischer Verkehrsinseln. Im besten Fall. Oft genug liegen öffentliche Flächen – vom Randstreifen bis zum ehemaligen Parkplatz – in der Stadt brach. Doch bei jedem Besuch in der

Die Kraft der Visionvon Bill McKibben

Algebra fürs Klima

Im Juni wurden in den USA 3215 Temperaturrekorde erreicht oder gebrochen. Der Vormonat war der wärmste Mai in der nördlichen Hemisphäre seit Beginn der Klimaaufzeichnung – im 327. Monat in Folge überstieg die Welttemperatur das Mittel des 20. Jahrhunderts; die

Globale Perspektivenvon Jochen Schilk

Funktioniert Stadt?

Die Stadt ist eine ziemlich neue Erscheinung. Mehrere 100 000 Jahre lebten die Menschen als nomadische Jäger-und-Sammlerinnen-Gemeinschaften. Erst mit der Erfindung der Landwirtschaft vor etwa 10 000 Jahren kam die Sesshaftigkeit auf. Die ersten größeren Siedlungen

Ausgabe #16
Stadt Leben

Cover OYA-Ausgabe 16
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion