enkeltauglich leben
Buchtipps

Tödliche Medizin und ­organisierte Kriminalität (Buchbesprechung)

von Christine Simon, erschienen in Ausgabe #34/2015
Photo

»Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität«  – der Titel lässt einem schier das Blut in den Adern gefrieren. Wie kann das, was wir mit Heilung assoziieren, kriminell oder gar tödlich sein? Der Autor Peter C. Gøtzsche, Medizinforscher und Professor an der Kopenhagener Universität, geht in seinem neuen Buch dem Verdacht nach, dass unsere Gesellschaft in einem viel zu hohen Ausmaß mit pharmazeutischen Produkten traktiert wird. In den USA und Europa stellen durch Medikamente verursachte Nebenwirkungen bereits die dritthäufigste Todesursache dar.
Dass Pharmaunternehmen keine Skrupel ­davor haben, wissenschaftliche Literatur zu verfälschen, ist nichts Neues. Das Buch enthält jedoch eine vielfältige und geradezu erdrückende Menge an gut belegtem Beweismaterial für die These, dass »Kapitalismus und Privatisierung der öffentlichen Gesundheit schaden«. Angesichts dessen fordert der Autor eine »Revolution in der Arzneimittelüberwachung«, die klinische Daten öffentlich zugänglich macht und eine Manipulation von Forschungsergebnissen unterbindet.
Zudem gibt er eine Reihe von Empfehlungen – beispielsweise Medikamente nur dann einzunehmen, wenn es unbedingt notwendig ist, und neue Präparate zu meiden, da die meisten von ihnen ihre Zulassung wieder verlieren würden. Man kann durch die Lektüre in abgrundtiefen Zorn geraten. Peter C. Gøtzsche aber beschließt sein Buch mit bitterem Humor und einem Cartoon, der zwei Pharmavertreter als mafiöse Motorradfahrer in einem absurden Gespräch zeigt. ◆


Tödliche Medizin und ­organisierte Kriminalität
Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert.
Peter C. Gøtzsche

512 Seiten Riva Verlag
2. Auflage 2015
ISBN 978-3868834383
 24,99 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #34

Photo
von Lara Mallien

Aus Hanf spinnt man keine Seide

Aus Hanf spinnt man keine Seide«, ist ein altmodisches Sprichwort. Es will darauf hinweisen, dass der Mensch mit dem jeweils Verfügbaren zufrieden sein soll, auch wenn das ein wenig kratzig sein mag. Dabei tut es dem Hanf unrecht. Wer die Fasern der Winter- und Sommer­ernte

Photo
Bildungvon Alex Capistran

Der freie Geist bewegt sich selbst

Bernkastel-Kues schläft noch an diesem Morgen, eigent­lich schläft es – verglichen mit wohl jeder anderen Uni-Stadt – fast immer. Die Glocken der mittelalterlichen Kirche läuten die zahlreichen Winzer und Touristen aus dem Schlaf, und seit neuestem auch eine Handvoll

Photo
von Alex Capistran

Ein Dorf in der Stadt

Der »Lindentaler« will mehr sein als eine Regionalwährung. In Leipzig basiert, aber deutschlandweit wirksam, fördert er Leihen, Tauschen und Schenken.

Ausgabe #34
Diesmal: Wirtschaft!

Cover OYA-Ausgabe 34
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion