enkeltauglich leben

Monsanto auf Deutsch (Buchbesprechung)

von Beate Küppers, erschienen in Ausgabe #7/2011
Photo

Wenn es in Deutschland um Agro-Gentechnik geht, wird vor allem über den US-Konzern Monsanto gere- det. Blicke hinter die Kulissen der deutschen Akteure fehlen bislang – ein Loch, das ein im Dezember 2010 erschienenes Buch füllen möchte. Seine 230 Seiten sind eng bedruckt mit Fakten, Originaldokumenten und Quellenangaben. Eine Enzyklopädie der Ver- flechtungen in der Gentechnik zwischen Firmen, Behörden, Lobbyverbänden und Forschung – von Aachen bis Rostock. Immer wieder sind dieselben Personen in verschiedenen Funktionen zu finden, und zwischen allen Beteiligten besteht ein enges Geflecht von undurchsichtigen Firmenkonstrukten. Selbst in NGOs und den kritischen Parteien bleiben gentech- nikkritische Inhalte zugunsten von Spendengeldern und Wählerstimmen oft auf der Strecke. Scheinbar neutrale und ökologisch orientierte Internetplattfor- men werden im Sinn der Befürworter von Bio-Tech gelenkt und gezielt für den Kampf um die öffentliche Meinung eingesetzt.
Die Vorgängerbroschüre des Buchs mit dem Titel »Organisierte Unverantwortlichkeit« erschien im Jahr 2009 und war schnell vergriffen. Zwei der darin er- wähnten Personen versuchten per gerichtlicher Verfü- gung, die Kritik an ihrer Tätigkeit verbieten zu lassen. Doch verloren sie den Prozess in zweiter Instanz. Die Recherchen – inklusive der massiven Vorwürfe und oft beißenden Formulierungen in Bezug auf Betrug, Geldwäsche, Fördermittelveruntreuung, gekaufte Demonstrantinnen und Demonstranten und mafiöse Strukturen – hielten der gerichtlichen Überprüfung stand. Wegen einer »Feldbefreiungsaktion« sitzt Buchautor Jörg Bergstedt dennoch im Gefängnis, wo er auch sein aktuelles Buch fertigstellte. »Wir dürfen nicht immer nur über Risiken reden, sonst ebnen wir denen, die ihre Produkt- und Methodenentwicklung als Risikoforschung verschleiern, selbst den Weg.«
Widerstand gegen die Agro-Gentechnik findet im Wesentlichen auf drei Ebenen statt: Direkte Aktionen auf den Feldern, Initiativen für gentechnikfreie Regio- nen, Futter- und Lebensmittel sowie die politischen Bemühungen um bessere Kontrollen und Gesetze. »Monsanto auf Deutsch« ist eine erschreckende, teil- weise polemisch formulierte Sammlung, die wütend machen kann, aber keine Ohnmacht auslösen soll. Vielmehr will sie dazu beitragen, die Notwendigkeit direkter Aktionen zu erklären – aus der Wut heraus, mit kreativer und durchdachter Entschlossenheit.

Monsanto auf Deutsch
Seilschaften zwischen Firmen, Behörden, Lobby und Forschung in der deutschen Agro-Gen- technik
Jörg Bergstedt
SeitenHieb-Verlag, 2010
230 Seiten
ISBN 978-3867470438,
18,00 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #7

Photo
von Matthias Fersterer

Zettelkasten (Buchbesprechung)

Zettels Traum Vor genau einem Jahr, in der ersten Ausgabe von Oya, habe ich an dieser Stelle die an den Piper-Verlag gerichtete Hoffnung geäußert, Michael Endes vergriffenes Buch »Zettelkasten« möge neu aufgelegt werden. Ob dieser Wunsch offene Türen eingerannt

Aktion & Widerstandvon Johannes Heimrath

Auch wir halten das System am Leben

Johannes Heimrath Mathias, ich freue mich, dass wir hier in Klein Jasedow Zeit für ein Gespräch haben. Ich möchte mit deiner bemerkenswerten Frage in deinem Artikel »Rein in die Politik« aus Oya 2 beginnen: »Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass man mit

(Postwachstums-)Ökonomievon Lara Mallien

Evolution einer großen Erzählung

W ie finden die vielen sozialen Bewegungen für eine »andere Welt« zu größerer Wirksamkeit? Auf diese häufig gestellte Frage scheint es noch keine kurze Antwort zu ­geben. Einstweilen bleibt nur die leidenschaftliche Suche nach den ­»Bausteinen