Häusliche Pflege in der Nachbarschaft
Seit 35 Jahren pflegt ein selbstverwalteter Betrieb alte und kranke Menschen im Berliner Bezirk Schöneberg und folgt dabei einem besonderen Konzept.

Mit »Saatgut« hat Anja Banzhaf ein prall gefülltes und liebevoll gestaltetes Werk verfasst. Ihr Buch erinnert daran, dass Saatgut die Grundlage jeder Ernährung und damit lebensnotwendig für die Menschheit ist. Im ersten Teil beschreibt sie die jahrtausendealte Tradition der bäuerlichen Saatgutgewinnung ebenso wie die Probleme, die von der industriellen Landwirtschaft verursacht werden. Im zweiten Teil schildert sie die von Politik und Wissenschaft unterstützten Raubzüge der Industrie, um im dritten Teil auf ermutigende Gegenwehr und Alternativen einzugehen. Mehr als 50 Streifzüge durch Praxisbeispiele und Interviews sind in den Text eingestreut und veranschaulichen die Vielschichtigkeit des Themas.
In vielen Kulturen hüten und pflegen Frauen das Saatgut und das Wissen über seine lokalen Besonderheiten. Es ist die Basis einer eigenständigen Versorgung durch kleinbäuerliche Landwirtschaft, wie sie die globale Bewegung für Ernährungssouveränität fordert. Die Industrie raubt traditionelles Saatgut, zum Beispiel durch Patentierung, und zerstört mit gentechnischen Eingriffen dessen Vermehrungs-fähigkeit. Diese Hybridsamen vermarktet sie als standardisierte Waren, die jedes Jahr neu gekauft werden müssen. So verliert das Saatgut seine Vielfalt und wird vom Gemeingut zum Privateigentum. Die Landwirtschaft wird abhängig von den Herstellern, aber auch von der Chemieindustrie, denn die Massenproduktion macht anfälliger für Krankheitserreger, gegen die oft nur noch die chemische Keule hilft. Selbst die industrielle Ökolandwirtschaft verwendet Hybride, und die EU-Biorichtlinie erlaubt sogar Saatgut, das mit gentechnikähnlichen Eingriffen steril gemacht wurde (CMS-Technik). Dagegen formiert sich weltweit Widerstand. Viele Initiativen und Projekte vernetzen sich solidarisch, tauschen Saatgut und unterstützen sich politisch. Die Autorin warnt aber auch vor rechten Ökos und deren autoritär-nationalistischer Industriekritik. Sie macht deutlich, dass es nicht den einen richtigen Weg im Umgang mit dem Saatgut gibt, sondern vielfältige Ansätze, Erfahrungen und Positionen. Es gelingt Anja Banzhaf, vor allem mit den praktischen Beispielen so viel Freude am Tun zu vermitteln, dass ich am liebsten gleich morgen beginnen würde, mit eigenem Saatgut zu experimentieren!
Ergänzt wird das ausgesprochen informative, zugleich aber auch erschütternde und ermutigende Buch durch ein Personenverzeichnis, Adressen von Initiativen und Projekten sowie umfangreiche Literaturhinweise. Fotos, Grafiken und Zeichnungen aus der Hand der Autorin illustrieren und verdeutlichen das Geschriebene auf schönste Weise. ◆
Saatgut
Wer die Saat hat, hat das Sagen.
Anja Banzhaf
oekom, 2016
272 Seiten
19,95 Euro

Seit 35 Jahren pflegt ein selbstverwalteter Betrieb alte und kranke Menschen im Berliner Bezirk Schöneberg und folgt dabei einem besonderen Konzept.

Der alte Philosoph Augustine Shutte reckt sich in seinem Sessel, als wolle er von seinem kleinen Haus in Kapstadt aus die ganze Welt erreichen: »Südafrika wurde mit der Apartheid weltberühmt. Sie war unsere einzigartige Erfindung«, sagt er sarkastisch, um dann zu

Emanuel und Ursina Zwicky-Schmid setzen auf ihrem 40 Hektar großen Bio-Milchviehbetrieb für einen großen Teil der landwirtschaftlichen Arbeiten auf Pferdekraft. Sie nutzen ihre Rösser aber auch zum Fahren und Reiten in der Freizeit.