enkeltauglich leben

Sterbefasten (Buchbesprechung)

von Beate Küppers, erschienen in Ausgabe #39/2016
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Sterbefasten – natürlicher Tod oder Suizid?
In Oya Ausgabe 36 berichtete Christiane zur Nieden vom Sterbeprozess ihrer Mutter nach deren Entscheidung, nichts mehr zu essen und zu trinken. Ihr nun erschienenes Buch »Sterbefasten – Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – Eine Fallbeschreibung« widmet sich den medizinischen und juristischen – vor allem aber auch den ganz persönlichen Aspekten eines solchen Wegs.
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen, die sich im Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit gegen weitere Therapien oder lebensverlängernde Maßnahmen entscheiden, wächst. Was aber, wenn ein alter Mensch mit körperlichen Einschränkungen, die den Alltag immer beschwerlicher machen, den ersthaften Wunsch zu sterben hegt und aufgrund dessen eines Tages das Essen und Trinken verweigert? Christiane zur Nieden beschreibt die widerstreitenden Gefühle, die sie noch Jahre nach dem Tod ihrer Mutter erlebt: Auf der einen Seite ist da der innere Vorwurf, als Tochter nicht genug getan zu haben, auf der anderen Seite die Achtung vor dem Wunsch nach einem würdigen Lebensende.
Die tagebuchartigen Aufzeichnungen im ersten Teil des Buchs geben einen Einblick in die Intensität der dreizehn Tage, während derer die ganze Familie das Sterbefasten der Mutter, Großmutter und Schwiegermutter begleitete. Mit eingestreuten Fragen wie »Was wäre für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein schöner Tod?« fordert die Lektüre aber auch dazu her­aus, sich mit möglichen Wünschen und Bedürfnissen in Bezug auf das eigene Lebensende oder das von nahestehenden Menschen auseinanderzusetzen.
Im zweiten Teil werden die physiologischen Vorgänge beim freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit erklärt und Hinweise für die ärztliche und pflegerische Begleitung gegeben. Darüber hinaus geht es um die Frage, ob Sterbefasten als natürlicher Tod oder als Suizid zu bewerten ist, sowie um die Auswirkungen des neuen Palliativgesetzes und der Entscheidung des Deutschen Bundestags zur Sterbehilfe auf die Begleitung von sterbewilligen Menschen.
Die Autorin gibt wertvolle Anregungen für die Gestaltung der letzten Zeit mit einem geliebten Menschen und betont die Bedeutung von Empathie und Kommunikation: Mit ihrem Buch will Christiane zur Nieden »Familienangehörige ermutigen, miteinander über die Themen rund ums Sterben zu sprechen, sich gegenseitig zuzuhören und rechtzeitig darüber nachzudenken, ein Familienmitglied im Sterben – und eventuell beim Sterbefasten – zu begleiten«. ◆ 

Sterbefasten
Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – Eine Fallbeschreibung.
Christiane zur Nieden
Mabuse, 2016
171 Seiten
19,95 Euro

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