Buchtipps

Insektenabwehr selbst gemacht (Buchbesprechung)

von Silke Hoffmann, erschienen in Ausgabe #45/2017

2016 veröffentlichte der ökobuch-Verlag die deutsche Übersetzung eines Buchs der US-amerikanischen Autorin Stephanie L. Tourles über natürliche Insektenabwehrmittel. Dieser Titel ist interessant für alle, die sich mit den vielfältigen Anwendungsarten von Kräutern, chemiefreier Haushaltshygiene sowie der sanften Pflege und Behandlung von Haustieren beschäftigen. Nach einer kleinen Einführung in die Problematik des Gebrauchs chemischer Insektizide folgt eine Grundlagenkunde in Bezug auf Kräuter, ätherische Öle, Basisöle und Äthylalkohol.
Interessant ist auch der lexikalische Teil des Buchs. Dort werden auf 14 Seiten 34 Pflanzen – von Anis bis Zitronengras – kurz unter dem Aspekt ihrer insektenabwehrenden Eigenschaften vorgestellt. Das Kapitel mit den Insektenabwehrmitteln für Menschen ist nach unterschiedlichen Rezepturen aufgebaut: für Flüssigkeiten und Sprays (17 Rezepte basierend auf Basisöl, Wasser/Alkohol oder Hydrolat), Balsame und Öle (zehn Rezepte basierend auf Basisöl oder Sheabutter) sowie Tinkturen und Aufgüsse (sechs Rezepte basierend auf Alkoholextrakten). Um Wiederholungen zu vermeiden, hätte es hier genügt, die Grundrezepte vorzustellen und die Variationen – die sich letztlich am persönlichen Duftempfinden der Verwender orientieren – weniger ausführlich zu halten. Es erscheinen viele Infokästen mit Tipps: eine Zusammenstellung von Abhilfemaßnahmen gegen Juckreiz (Apfelessig bei Wespenstichen, Backnatron bei Bienenstichen), Hinweise zur Ernährung (»Stechmücken mögen keinen Schweiß, der mit B-Vitaminen durchdrungen ist«) oder auch Kleidungstipps (»Mücken reagieren am stärksten auf dunkle Kleidung«). Manche Tipps scheinen allerdings auch etwas absurd, etwa der Einsatz eines Ventilators (starker Luftzug) oder Lehmofens (Rauch) zur Vertreibung von Insekten beim Picknick.
Die letzten beiden Kapitel widmet die Autorin den Mitteln für Haustiere sowie Schutzmaßnahmen für das Haus. Lesenswert ist der Abschnitt über die Lebenszyklen von Flöhen und Zecken. Auch finden sich hier interessante Rezepte wie das Insektenabwehr-Potpourri für Speisekammer und Kleiderschrank. Beim Sprachgebrauch der Autorin (»im ständigen Kampf gegen die Eindringlinge«) frage ich mich allerdings, ob sie ein gestörtes Verhältnis zu Kleinstlebewesen und dem Eigengeruch ihrer Haustiere hat. Ihre empfohlenen regelmäßigen Präventionsmaßnahmen zur Pflege von Hund und Katz sind ein für mein Empfinden unangemessener Aufwand, und die Anwendung von Knoblauch präventiv gegen Flöhe bei Hunden – wenn auch in geringen Dosen – erscheint mir etwas riskant.
Fazit: Es gibt Interessantes in dem Büchlein zu entdecken, doch es hätten auch ein paar Seiten weniger sein können.
 


Insektenabwehr selbst gemacht
75 Rezepturen aus der Natur für Menschen, Hunde und Katzen gegen Stechmücken, Zecken, Flöhe & Co.
Stephanie L. Tourles
ökobuch Verlag, 2016, 93 Seiten
ISBN 978-3936896886
13,95 Euro

weitere Inhalte aus #45 | Nach Hause kommen

Leben in Kooperation (Buchbesprechung)

Das Buch »Leben in Kooperation« von Matthias Möller untersucht Aufschwung und Niedergang der sozialreformerischen Mustersiedlung Freidorf am Stadtrand von Basel. Diese wurde im Mai 1919 gegründet und zügig erbaut. Um ein Genossenschaftshaus gruppierten sich

Tödliche Freundschaft (Buchbesprechung)

In seinem neuen Buch »Tödliche Freundschaft« durchreist der Journalist Florian Schwinn 23 Millionen Jahre eines gemeinsamen Lebens von Mensch und Tier, das tief in unserer Kultur und unseren Genen verwurzelt ist. Brandaktuell und zugleich zeitlos ist die Frage nach dem

Photo
Permakultur

Winzige Nützlinge – »HM« selber herstellen

Sie sind um uns und in uns – überall finden sich die kleinen, für das bloße Auge unsichtbaren Lebewesen. Im Verborgenen entfalten sie ihre ab-, um- oder aufbauende Wirkung; und weil wir sie nicht sehen, schenken wir ihnen im Alltag recht wenig Beachtung. ­Bakterien sorgen

#45 | Nach Hause kommen

Cover OYA-Ausgabe 45
Neues aus der RedaktionVerteilstationen