enkeltauglich leben
Titelthema

Von wo aus blicke ich wohin?

Reflexionenvon Matthias Fellner, Ursula Späte-Schumacher, Franziska Castro, erschienen in Ausgabe #52/2019
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In den ersten Gesprächen zur Planung dieser Oya-Ausgabe tauchte der in der Permakultur verwendete Begriff »Randzonen« auf. Wir wollten auf Menschen an den Rändern der Oya-Blase zugehen.
Ich habe über dieses Wort nachgedacht. Eine Randzone definiere ich von meiner Blase aus. Nur wenn ich inmitten meiner eigenen sitze, ergeben sich Ränder zu anderen. Bewege ich mich zwischen verschiedenen, gibt es nur Übergänge. »Randzone« ist ein ­sesshafter Begriff, »Übergangszone« ein nomadischer.

Franziska Castro, Hütekreismitglied, führte das Interview auf Seite 36.


Gibt es nicht auch so etwas wie »interkulturelle Kompetenz« in der Vermittlung zwischen verschiedenen Szenen? Ist das nicht etwas, das es zu schärfen und auszubauen gilt? So mag es beispielsweise hilfreich sein, die Sensibilitäten der verschiedenen Szenen zu kennen und achtsam damit umzugehen. Verschiedene Sichtweisen haben ja durchaus ihre Berechtigung, die einzelnen Schwerpunkte erzeugen aber schnell Trennung und Unverständnis, die durch wertschätzende Begegnungen überwunden werden können.

Matthias Fellner moderierte mit Lara Mallien den ­gemeinschaftlichen Entstehungsprozess dieser Ausgabe.


Was bedeutet es eigentlich, ein Interview zu »führen«? Wenn ich im eigentlichen Sinn etwas vom Anderen erfahren möchte, darf ich dann überhaupt führen? Welche Bewer­tungen bringe ich ein, welche Offenheit?
Mich interessiert das Phänomen der gegenseitigen Anpassung, des sich mehr oder weniger glückenden Aufeinander-Einschwingens.
»Wo« bin ich, wo ist mein Gegenüber in dem ­Gespräch? Gehen wir beide innerlich an denselben Ort? Geht einer an den Ort des anderen? Und falls ja: Fühlt die Person dort, was sie selbst dort wahrnimmt, oder fühlt sie nach, was in der anderen vor sich geht? Oder beides?
Mir fällt ein Zitat des Philosophen Peter Bieri ein:
»Die Kultur, wie ich sie mir wünschte, wäre eine leisere Kultur, eine Kultur der Stille, in der die Dinge so ­eingerichtet wären, dass jedem geholfen würde, zu seiner eigenen Stimme zu finden. Nichts würde mehr zählen als das; alles andere müsste warten.«

Ursula Späte-Schumacher, Hütekreismitglied, führte das Interview auf Seite 54.

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