Titelthema

Humboldthain – gutes Leben zu jeder Zeit

Aus dem »Mosaik des guten Lebens«.
Photo
© COMMONS.WIKIMEDIA.ORG

Anfang Mai wanderte ich durch den Berliner Humboldthain, einen auf zwei Trümmerbergen angelegten Park mit großen Wiesen und hohen Bäumen, verschieden gestalteten Orten, die zum Verweilen einladen, und auch vielen Bereichen, an denen die Pflanzen einfach wachsen dürfen. Es war ein schöner Frühlingsabend, viele Menschen gingen spazieren oder saßen gemeinsam auf den Wiesen. Ich sah eine größere Gruppe von Männern, die ein winziges Volleyballnetz gespannt hatten und auf dem entsprechend kleinen Feld dicht beieinander stehend spielten. Im Frühling letzten Jahres wäre mir all das kaum aufgefallen. Aber nun war vieles davon verboten. Menschen sollten sich nicht in Gruppen treffen, schon gar nicht für Ballspiele auf engem Raum. Doch inmitten des Ganzen stand ein Polizeiauto, eine Tür weit geöffnet, und die Polizisten zeigten keinerlei Bemühen, das fröhliche Treiben zu verhindern! Plötzlich sah ich viel deutlicher als bisher in diesem Park einen Ort des guten Lebens. Die Menschen hier warteten nicht auf die Zeit nach der »Krise«, auf all das Schöne, was in der Zukunft (wieder) möglich sein soll, sondern begegneten sich jetzt. Eine kleine Rebellion der Gegenwart!
Nachts, wenn die Menschen gegangen sind, wird der ganze Park zu einem Ort des guten Lebens für Füchse, Kaninchen, Mäuse und all die anderen Tiere, die sich am Tag in Büsche und Höhlen zurückziehen. Morgens, wenn nur wenige Menschen dort sind, kann ich beobachten, wie die Eichhörnchen über die Wiesen und an den Stämmen hinauf und wieder hinunter flitzen. Und für die Vögel ist dieser Ort mit den vielen Sträuchern und Bäumen, deren Früchten und den Essenskrümeln, die die Menschen hinterlassen, zu jeder Zeit einer des guten Lebens. 
 Franziska Castro

weitere Inhalte aus #59 | Schöne neue Welt?

Der grüne Planet (Buchbesprechung)

Ich weiß nicht mehr, wann ich sie nicht mehr ertragen konnte: Die Science-Fiction-Storys, bei denen über das in ihnen schon vergangene 21. Jahrhundert berichtet wurde, ohne dass die Folgen der steigenden Erdtemperatur erwähnt worden wären. Klar, es ist sowieso alles ausgedacht.

Utopia 2048 (Buchbesprechung)

»Für alle, die sich nach einer schöneren Welt sehnen« steht als Widmung vorneweg. Lino Zeddies, ein 29-jähriger Geldtheoretiker, Organisationsberater und Aktivist für gesellschaftlichen Wandel aus Berlin, hat mit »Utopia 2048« ein bemerkenswertes

Photo

Wesensgemäße Pflanzenhaltung

»Fauler Permi« und einjähriges Gemüse – geht das?Zeitgleich mit dem Beginn meiner Permakultur-Weiterbildung habe ich eine Ausbildung zur Gemüsegärtnerin begonnen. So kam ich in die Gemüsegärtnerei mit Ideen aus der Permakultur. Schon am Anfang meiner

#59 | Schöne neue Welt?

Cover OYA-Ausgabe 59
Neues aus der RedaktionVerteilstationen