enkeltauglich leben
Titelthema

Mehr, als der Verstand begreifen kann

Uscha Madeisky und Dagmar Lilly Margotsdotter berichten, wie sie vor mehr als zwanzig Jahren mit Matriarchaten in Berührung kamen und sich ihr Leben transformierte.von Uscha Madeisky, Lara Mallien, Dagmar Margotsdotter, erschienen in Ausgabe #62/2020
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© MatriaVal

Lara Mallien  Uscha und Dagmar, wie seid ihr auf das Thema »Matriarchat« gekommen?

Uscha Madeisky  Mitte der 1990er Jahre begleitete ich eine Frauenbildungsreise in die Türkei zur Ausgrabungsstätte Catal Hüyük, mit der Kamera. Die Ausgrabungen brachten unter anderem unzählige sakrale Frauenfigurinen und weitere Funde aus der Jungsteinzeit hervor, aus denen zu schließen war, dass es sich um eine friedliche Gesellschaft gehandelt hat, in der Frauen und Kinder im Zentrum standen. Ich wollte von der Referentin Christa Mulack wissen, warum sich das so sicher sagen ließe. Die Antwort war: Erkenntnisse aus Archäologie, Soziologie, Anthropologie und Ethnologie waren herangezogen worden, so dass sich Parallelen zu existierenden Matriarchaten erkennen ließen. Ich konnte nicht fassen, dass ich jetzt erst erfuhr, dass solche existierten, wo ich doch zur Frauenbewegung gehörte und Soziologie studiert hatte. »Dort musst du hin und von dort wirst du Filme mitbringen«, sagte ich mir. Ich recherchierte an diversen Universitäten und landete als erstes bei den Khasi im Nordosten Indiens. 

Dagmar Lilly Margotsdotter:  1992 hatte ich das Buch »Matriarchat« von Heide Göttner-Abendroth gelesen. Von da an wollte ich nur noch eins: In ein lebendiges Matriarchat! Ich entdeckte als erste Expeditionsmöglichkeit ebenfalls die Khasi – Uscha und ich kannten uns damals noch nicht – und fragte bei der North-Eastern Hill University in Shillong an, ob ich mit einer matriarchalen Frau in Austausch treten könnte. Bald darauf sah ich Uschas und Klaus Werners Film »Töchter der sieben Hütten« über einen Khasi-Clan und war tief bewegt. Ich identifizierte mich sehr mit Aileen, der Protagonistin. Dank Uscha reiste ich, als mein jüngster Sohn vier Jahre alt war, mit einer Tante und meinen Kindern zu Aileen und ihrem Clan der Massar. Wochenlang lebten wir in der Küche des Clans, meine Kinder integrierten sich, die eigene Tante freundete sich mit der Matriarche (unser Begriff für das weibliche Familienoberhaupt) an und ich wurde Vertraute der ältesten Tochter. Aileen kam 2003 zum ersten internationalen Matriarchats-Kongress, den Heide Göttner-Abendroth organisiert hatte, und besuchte dabei auch meine Familie. Ihre Schwester heiratete später einen Deutschen und lebt seitdem in Leipzig. 

LM  Wie würdet ihr den Prozess beschreiben, zu verstehen, dass Matriarchate in jeder Hinsicht ganz andere Paradigmen leben? 

UM  Ganz grundsätzlich: Mein Leiden am kapitalistisch-patriarchalen System war schon vor meiner Begegnung mit Matriarchaten heftig. Gleichzeitig gab es immer Momente, in denen »das Andere« aufblitzte, zum Beispiel in der Art, in der meine Mutter trotz der Bedrohung durch einen kriegsgeschädigten, wahnhaften Vater Warmherzigkeit und Herzensgüte verströmte. Für meine Empfindungen war also nicht alles Matriarchale verschwunden. Und es existierte schon Literatur, neben Heide Göttner-Abendroth zum Beispiel die von Gerda Weiler. Bei ihr lernte ich, dass matriarchales Bewusstsein einer kosmischen Ordnung abgelauscht ist. 

DLM  Indirekt fragtest du auch nach dem Unterschied zwischen matriarchaler und patriarchaler Kultur. Es gibt viele gute Gegenüberstellungen von kompetenten Menschen, doch ich möchte hier die Zusammenfassung von Mitsuhei Murata, einem ehemaligen japanischen Botschafter in der Schweiz, wiedergeben. Er gratulierte uns und anderen Frauen zur Eröffnung des Instituts »MatriaCon«, einer internationalen Schule für matriarchales Bewusstsein in Frankfurt. Er schrieb uns, dass das ursprüngliche Japan eine mütterliche Kultur hatte und erst vor 150 Jahren mit Krieg und Gewalt das Patriarchat eingeführt wurde. Eine patri-archale Kultur begreife sich – so Mitsuhei Murata – als lineare Entwicklung hin zu immer größerem Fortschritt und sei von Egoismus, Konkurrenz, Konfrontation, Missachtung der Schwachen und Hierarchie geprägt. Ein Matriarchat begreife sich hingegen als zyklische Evolution, bestimmt von Verbundenheit, Harmonie, Kooperation, Mitgefühl für Schwache, Offenheit und Gleichheit. Der patriarchale Weg, Ziele zu erreichen sei die Eroberung, notfalls mit Gewalt; das Matriarchat verwirkliche seine Ziele im Dialog. So erkläre sich auch, warum patriarchale Kulturen die Natur ausbeuten und Techniken wie Atomenergie entwickeln würden, während Matriarchate mit der Natur harmonisch zusammenlebten und lebensdienliche Techniken entwickelten, schrieb uns der ehemalige japanische Botschafter.

Ich habe versucht, den Prozess des eigenen Verstehens in meinem Buch »Am Herdfeuer – Aufzeichnungen einer Reise zu den matriarchalen Mosuo« festzuhalten. Ich wollte meine Projektionen und meinen Wandlungsprozess nachvollziehbar machen, denn ein Paradigma ist ja mehr, als der Verstand allein begreift. Es wird erst klarer, wenn ein fremder Mensch dort viel Zeit verbringt. Aus meiner Anfangszeit bei den Mosuo in Südchina erinnere ich mich an etliche Aha-Momente, einen will ich hier erzählen: Ich trinke meinen Kaffee mit Milch, doch in China wird Milch kaum konsumiert und ist entsprechend schwierig zu bekommen. Also hatte ich von einem der seltenen Besuche in einer Großstadt eine Kiste Milch in Tetrapacks mitgebracht. Später gab es eine Feier im Haus, und da ist es üblich, dass die Gastgeberin beschenkt wird und ihrerseits großzügig bewirtet. Die Matriarche bot allen ein Päckchen »meiner« Milch an. »Mein«, »dein« gibt es dort nicht wirklich: Alles wird am Hausaltar erst den Ahnen dargeboten und steht dann allen Lebenden zur Verfügung. So war auch der von mir mitgebrachte Zucker aus meinem Zimmer auf den Altar gewandert. Als auch noch die Milchpäckchen verschenkt wurden, spürte ich so etwas wie Empörung: Immerhin war der nächste Großstadtbesuch nicht in Sicht. Am nächsten Morgen schaute ich in die Tüten am Altar, um zu sehen, was die Gäste mitgebracht hatten, und siehe da: Darunter waren zwei ganze Kartons mit Viertelliter-Päckchen Milch. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr ich mich angesichts dieser Großzügigkeit und gegenseitigen Fürsorge für meinen Impuls geschämt habe. Ich sah, dass alles im Fluss war und es keinen Grund gab, etwas festzuhalten.

UM  Ich hatte auch viele solche Momente. Als ich zum ersten Mal das Haus der Kaddhu, der Familienhüterin, aus dem Clan der Massar betreten durfte, wusste ich nur, dass Frauen hier die Besitzerinnen bzw. Verwalterinnen von Grund, Boden und Haus sind, insbesondere das älteste Familienoberhaupt. Dann sah ich am Boden in der hintersten Ecke diese alte Frau, die Kadduh, sitzen. Sie musste durch keine besonders auffällige Körpersprache klarmachen, dass sie es ist, die das Ganze managt. Sie musste sich nicht in der Mitte aufbauen, um auszudrücken: »Hier bin ich. Zollt mir gefälligst Respekt!« Wo ich herkam, musste ich mir hingegen ständig mit allen Tricks Respekt verschaffen. Langsam dämmerte mir, dass diese Frau – und damit auch die anderen – durch ihr Sein, nicht durch ihr Tun, Respekt erhalten. 

DLM  Mir fiel bei den Khasi auch der Blick der Frauen auf – ich empfand ihn als undefinierbar und eher ernst. Irgendwann erkannte ich, dass die matriarchalen Frauen unser »soziales Lächeln oder Lachen« so nicht kannten. Sie sind immer zugewandt, liebevoll und großzügig. Sie sind, wie sie sind. Wenn sie lachen, lachen sie, doch nicht aus Höflichkeit. 

Des weiteren fiel mir die Zärtlichkeit unter den Jungen auf. Meine Kinder, die einen eher rauen Umgang unter männlichen Heranwachsenden kannten, waren überrascht von der Zugewandtheit und Fürsorge der Jungs und Männer allen gegenüber. 

LM  Wie kam es, dass sich mit der Zeit matriarchale Aspekte in eurem familiären Zusammenleben entwickelt haben? 

DLM  Als ich im Jahr 2000 von meiner ersten Reise zu den Khasi nach Hause zurückgekommen war, lud ich meine Brüder ein und sagte ihnen, wie wichtig sie mir sind und dass ich ihnen das ab jetzt immer zeigen möchte, weil ich erlebt habe, wie wertvoll, schön und stabil matrilineare Verbindung ist: Nichts verbindet mehr als die Tatsache, sich eine Gebärmutter geteilt zu haben, eine gemeinsame Mutter oder/und Großmutter oder/und Urgroßmutter, Urmutter zu haben. Wir Geschwister beschlossen, unsere Mutter in unsere Nähe in den Norden Deutschlands zu holen – damals lebten wir versprengt, wie es im Patriarchat -üblich ist. Nun begannen wir, ganz bewusst, unsere Verbundenheit auszubauen. Einmal war wieder matriarchaler Besuch im Haus - Sadama von den Mosuo. Sie saß am Küchentisch, als ich meinem Jüngsten kurz sagte: »Ich gehe mal eben zu meiner Mutter.« Sadama meinte liebevoll: »Bei uns zu Hause würden wir sagen: ›Ich gehe mal eben zu deiner Großmutter.‹« Augenblicklich schossen mir die Tränen in die Augen. Mir wurde klar: Wenn ich »deine Großmutter« sage, binde ich meinen Sohn ins Gesagte und Geschehen ein und verbinde ihn mit seiner Großmutter! So spielte sich das Gesagte zwischen meiner Mutter und mir ab, als hätte es gar nichts mit ihm zu tun.

Mit dem Wort (deine) »Großmutter« hätte ich meine Mutter in ihrer für matriarchale Menschen wahren Größe benannt: Groß-Mutter. Statt Mutter zu sein, war sie ja immerhin schon eine Große Mutter. 

UM  Auch für die Familie, in die ich hineingeboren wurde, galt, dass wir als junge Erwachsene getrennt weiterleben sollten. Meine Mutter, meine Schwester und meine Nichte sahen sich gern die Filmszenen an, die ich aus den Matriarchaten mitbrachte. Wir stellten Bezüge zu unserem Erleben in unserer Kindheit her – Sehnsucht nach Geborgenheit und Verlässlichkeit kamen bei uns allen hoch. Dann ergab es sich: Meine Nichte wurde alleinerziehend, meine Schwester wollte nie wieder heiraten, der Mann meiner Mutter war gestorben und meine Beziehung ging auseinander. Das Haus mit Garten am Stadtrand wurde nun zum Besitz von meiner Schwester und mir. Darin leben wir jetzt, zusammen mit einer Tochter und einer Enkeltochter, jede in einer eigenen Wohnung und doch dicht beieinander. Wir haben keine festen Regeln, wie wir miteinander umgehen; wir schauen, was die andere braucht und was wir selbst dazu beitragen können. Auch wirtschaften und bewältigen wir Probleme gemeinsam, halten eine fürsorglich-schenkende Kultur hoch. Das kommt auch denen zugute, mit denen wir außerhalb in Beziehung treten, sei es vorübergehend oder als Dauergast, wie im Fall meiner Schwester: In ihre Wohnung ist ihr Gefährte eingezogen. Einige Menschen in unserem Umfeld irritiert unsere matrilineare Lebensweise, andere würden es liebend gerne ähnlich praktizieren.

LM  Auch im größeren gesellschaftlichen Zusammenhang engagiert ihr euch für matriarchale Lebensweisen.

UM  Mit der Jahrtausendwende begann die Verbindung von Dagmar und mir – und damit eine besondere, kreative, inspirierte und produktive Zusammenarbeit. Zu dieser Zeit blühte auch die Matriarchatsbewegung mehr und mehr auf. Wir hatten uns bei der feministisch-matriarchalen Akademie »Alma Mater«, geleitet von Siegrun Laurent, angemeldet, wo wir über neun Jahre lernten und lehrten. Mit den über 30 Dozentinnen und an die 100 Studentinnen haben wir uns für alle möglichen Unternehmungen gegenseitig befruchtet. In dieser Zeit organisierten wir zum Beispiel 2008 den »Internationalen MutterGipfel« in Karlsruhe. 

In dieser Phase ist auch die Zeitschrift »Matriaval« entstanden. Die erste Ausgabe erschien 2007; darin schrieben beinahe alle Forscherinnen und Denkerinnen, die sich mit lebenden und untergegangenen Matriarchaten befassen, und selbstverständlich auch Menschen aus den Matriarchaten selbst, ebenso wie solche, die das Patriarchat und die heutige Gesellschaft kritisierten. Sieben Jahre lang brachte ein kleines, engagiertes Redaktionsteam, zu dem Dagmar und ich gehörten, Matriaval als gedrucktes Magazin heraus. In jedes Heft wurde per Hand etwas aus der Natur eingeklebt. Bei einer Ausgabe drückten die Redakteurinnen sogar in jedes Heft einen Lippenstift-Kussmund. Inzwischen sind daraus die »Mutterlandbriefe« geworden. Sie werden vier Mal im Jahr per E-Mail verschickt. Dafür illustrieren farbige Bilder die matriarchalen Ereignisse. Es sind Briefe aus aller Mütter Länder. 

DLM  Uns ist es ein Anliegen, das Wesentliche der matriarchalen Kulturen ins Hier und Jetzt zu bringen. So ist auch der Verein »Mutterlandstiftung« zu verstehen. Die Mitfrauen setzen sich dafür ein, dass Land in Frauenhand kommt. In den Matriarchaten haben die Menschen - weil sie in Staatsgefügen leben müssen und dadurch mit Grundbüchern konfrontiert wurden – dafür gesorgt, dass nur Frauen in den Grundbüchern stehen können. Das hat sich sehr bewährt, auch für Männer, weil Land und Wohlstand auf diese Weise nicht verspekuliert und für Profit geopfert werden können. Beides, Land und Wohlstand, bleibt für alle gleichermaßen gesichert. So hätten wir das hier auch gerne. 

LM  Was unterstützt euch im Alltag, eure Ideale zu leben? Wie unterstützt ihr andere dabei?

DLM  Die Landschaft zu erforschen, ist so ein Weg. Die Göttin stellt sich in Matriarchaten in Bergen, Gewässern, Höhlen oder alten Bäumen dar. In Mutterländern wie rund um den Lugu-See bei den Mosuo zum Beispiel gibt es Berge, die als liegende Göttin angesehen werden. »Diese hat 99 Liebhaber, das sind die Berge und Hügel um sie herum«, sagen die Mosuo. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft finden wir Ähnliches, denken wir nur an den Berg von Frau Holle, den Hohen Meissner. An diesen Orten können wir uns verbinden, der Erde danken und ihre Kraft aufnehmen.

UM  In Matriarchaten wird großer Wert auf das Bewahren und Weitergeben der gemeinsamen Geschichte gelegt – die Ahninnen und Ahnen sind allgegenwärtig. In diesem Sinn haben wir das Archiv »MatriaWis« in Göttingen aufgebaut. Dort werden neben Büchern, Filmen, Abbildungen und wissenschaftlichen Arbeiten auch Zeugnisse aus Matriarchaten selbst archiviert. 

Zunehmend kommen Frauen aus verschiedenen Netzwerken und Berufsvereinigungen auf uns zu, aus den Bereichen der Pädagogik, Medizin, Psychotherapie, Körpertherapie oder Journalismus, aber auch Anwältinnen, Filmemacherinnen oder Betreiberinnen von Mütterzentren. Sie sehen im matriarchalen Ansatz einen Heilungsweg für sich und für die Gesellschaft, wollen diesen in ihre Tätigkeit einbringen.

LM  Kennt ihr gelungene, neue matriarchale Wohnprojekte?

UM  Wir wissen von Plänen, aber von vollendeten Wohn- und Gemeinschaftsprojekten ist uns bisher nichts zu Ohren gekommen. 2012 startete Robert Anatol Stein eine Avaaz-Petition, um den Matri-Clan als Rechtsform anerkennen zu lassen, und fasste dessen Eigenschaften dabei gut zusammen: »Die Gründung erfolgt durch eine Mutter und mindestens einer ihrer volljährigen Töchter. Beitreten können Schwestern, Brüder oder volljährige Kinder der Mutter. Jüngere Kinder sind selbstverständlich auch dabei. Der Vater eines im Matri-Clan geborenen Kindes hat kein Sorgerecht, aber auch keine finanziellen Verpflichtungen gegenüber Mutter und Kind. Der Matri-Clan ist eine familiäre Fürsorgegemeinschaft, die, …, weit mehr soziale Sicherheit gewährt als das Modell der Ehe. Sie wirkt der Altersarmut, der Überbevölkerung sowie der Vernachlässigung von Kindern entgegen.«

LM  Wenden sich an euch Menschen, die sich Unterstützung bei der Gründung matriarchaler Gemeinschaften wünschen? 

DLM  Die meisten Ratsuchenden fragen uns nach Filmpräsentationen, Seminaren und Übungen, um matriarchales Bewusstsein in den Alltag zu bringen. Wenn du ein unaufgearbeitetes und traumatisches Verhältnis zu deiner Familie hast, kannst du ja nicht ohne Weiteres eine matriarchale Gemeinschaft gründen. Der Schmerz und Zorn darüber sollte erst in Ruhe angesehen und beweint werden. Von einer Sache raten wir ab: Schon am Anfang wahlverwandte »Brüder« in ein Wohnprojekt aufzunehmen. Am besten ist es, das Ganze beginnt nur mit Frauen und Kindern. Mit blutsverwandten Brüdern klappt es besser. Die Liebespartner der Frauen sollten zu Besuch kommen. Das kann auch ein Dauergast-Status sein, der bedingt, dass dieser Mann im Matri-Clan keine Verantwortung trägt und den anderen Frauen nicht nachstellt.

LM  Ich bin gespannt, ob in Zukunft solche sozialen Organismen entstehen. Für junge Menschen stellt sich dabei oft auch die Frage, wie und ob lesbische, schwule, bisexuelle und queere Menschen auch Teil eines solchen Clans werden können.

UM  Das sollte kein Problem sein. In Matriarchaten wird wegen der sexuellen Orientierung kein Aufhebens gemacht, welche Person mit welcher sexuell verkehrt, ist Privatsache. Eine einzelne Person, die eine andere Identität in sich spürt als Frau oder Mann, braucht sich dort auch nicht gegenüber anderen zu behaupten, denn in Matri-Clans werden alle so akzeptiert, wie sie eben sind.

LM  Ich denke, dass der Matri-Clan als Zelle, die mit Schwestern beginnt, heute für viele junge Menschen ein gutes Modell sein kann. Es ist schön, zu wissen, dass viele Menschen mit ihren Vorhaben und Fragen in euch gute Begleiterinnen haben. //


Sich mit Filmen ins Matriarchat versetzen

Mutterland – Das Matriarchat der Minangkabau

Wo die freien Frauen wohnen – Vom Matriarchat der Mosuo

Die Töchter der sieben Hütten – Ein Matriarchat in Indien

Youtube-Kanal »MatriWissen«

Matriarchaler Lesestoff

Dagmar Margotsdotter Am Herdfeuer – Aufzeichnungen einer Reise zu den matriarchalen Mosuo, Christel-Göttert-Verlag, 2016

Die Ordnung der Mutter – Wege aus dem Patriarchat, Dokumentation des Internationalen MutterGipfels 2008, Christel-Göttert-Verlag

Online-Zeitschrift »MutterlandBriefe« abonnieren: info@matria.de


Uscha Madeisky, Filmproduzentin, Publizistin und Lehrende, arbeitet seit den 1990er Jahren über untergegangene und lebende Matriarchate, seit 2000 in enger Zusammen-arbeit mit Dagmar Lilly Margotsdotter. www.tomult.de


Dagmar Lilly Margotsdotter ist als Forschende in vielen Matriarchaten unterwegs. Sie schreibt und lehrt im Rahmen der »matria-Oase« und der Schule »MatriaCon«. www.matria.de

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