enkeltauglich leben
Buchtipps

Die Kita als weltoffenes Dorf (Buchbesprechung)

von Elena Rupp, erschienen in Ausgabe #63/2021
Photo

Nur wenn Menschen emotional mit dem verbunden sind, was sie tun, kreieren sie lebendige Orte und Werke – denn nur dann übernehmen sie nachhaltig Verantwortung. Dies ist der Grundgedanke von Dorothee Jacobs’ Buch »Die Kita als weltoffenes Dorf«. Inspiriert von Ökodörfern, entwirft es originelle Ansätze, um Kindertagesstätten neu zu denken und als lebens- und menschenfreundliche Lernorte zu gestalten. Durch die Dorfbrille betrachtet, wird die Kita zu einem Raum, in dem Sinnzusammenhänge geschaffen werden, und zwar von den Menschen, die diesen Raum mit unterschiedlichsten Bedürfnissen, Werten und Visionen ausfüllen. Wie auch in der Pflanzenwelt schließe Nachhaltigkeit stets Vielfalt mit ein, so die Autorin. Dies führt zur Kernfrage: Wie kann aus einer bunten Verschiedenartigkeit ein stimmiges Miteinander kreiert werden? »Weltoffen« ist insofern eher im Sinn von »offen für Lebenswelten« statt in einem nationalen,ethnischen oder kulturellen Sinn zu lesen. 

Der Vergleicht von Kita und Dorf erlaubt es, elementare Bildung als Erfahrung elementarer lebensweltlicher Zusammenhänge zu verstehen: Kinder »stromern« umher, finden Zuflucht in häuslichen »Quartieren«, leben in »Nachbarschaften«, werkeln und produzieren in »Werkstätten«, lernen Wirtschaftskreisläufe kennen und leben mit dem Rhythmus der Natur. So werden kindliche Bezugssysteme selbst zum Bildungsstoff. Neben Team-, Konzept- und Raumentwicklung liegt ein Schwerpunkt auf der Frage, wie Teilhabekultur für Kinder gelingen kann. Dabei wird deutlich: Teilhaben bedeutet, Teil zu sein, denn die Sicht jedes »Dorfbewohnenden« zählt. Die Nachhaltigkeitsstrategien setzen auf exemplarisches Lernen durch Projekte, das die Kinder auf andere Bereiche übertragen können. 

Impulsgeber und Handreichung in einem, legt das Buch zündende Gedankenfunken, um Veränderungsprozesse neu zu betrachten. Stets eingerahmt von der Dorfmetapher, schlägt es gleichzeitig spielerisch-pragmatische Wege vor, diese Prozesse zu begleiten. Mit Fachinformationen, Beispielen, Erzählungen aus der Ich-Perspektive und kreativen Methoden bietet es viele dingliche und bildreiche Informationen. Dabei bezieht sich die Autorin unter anderem auf reformpädagogische Ansätze, den Situationsansatz, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Globales Lernen und Ästhetische Bildung. Das Buch ist als Entwicklungskonzept gedacht, erlaubt aber, einzelne Bausteine herauszugreifen. Somit ist es ein Wegweiser für alle, die weg von perfekt ausgeklügelten Konzepten und politisch korrekten Multikulti-Integrations-Naturkindergärten hin zu »kindgerechter, entdeckungsreicher und all unsere Sinne ansprechender Vielgestaltigkeit« wollen.  


Die Kita als weltoffenes Dorf
Vom Gedankenspiel zum Entwicklungskonzept.
Dorothee Jacobs
wamiki, 2020

325 Seiten
ISBN 978-3945810934
29,90 Euro


weitere Artikel aus Ausgabe #63

Photo
von Charlotte Selker

Lernen neben und mit der Mutterschaft

In Oya 61 sprachen Anja Marwege und Maria König mit Almut Birken und Nicola Eschen über ihr Buch »Links leben mit Kindern«. Darin wird gefragt, wie feministische Werte in linken Zusammenhängen realistisch gelebt und täglich angezettelt werden können:

Photo
von Jochen Schilk

B.A.U. weisen – weise bauen (Buchbesprechung)

Der 1981 gegründete Bund Architektur und Umwelt e.V. (B.A.U.) war – und ist noch immer – ein wichtiger, umtriebiger Pionier auf dem Feld des menschen-, umwelt- und enkelgerechten Bauens. Seine Mitbegründer halfen maßgeblich dabei, eine ganzheitliche Sichtweise zu den

Photo
von Grit Fröhlich

Wovon wir leben (Buchbesprechung)

Essen ist keine individuelle Angelegenheit. Sobald ich esse, bin ich in Beziehung - mit Pflanzen und Tieren, mit ganzen Landschaften, mit Lebensmittelerzeugern und Hungernden, mit Lebewesen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Beim Essen zeigt sich, welchen Platz ich mir und anderen in diesem

Ausgabe #63
Unterwegs sein

Cover OYA-Ausgabe 63
ProbeheftNeuigkeiten aus der Redaktion