enkeltauglich leben
Commonie

Feg' den Käfer

von Jochen Schilk, erschienen in Ausgabe #65/2021
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© L'Atelier Paysan

Gerade im Garten- und im Landbau wird hier und da mit innovativen selbstkonstruierten bzw. einfach selbstkonstruierbaren Gerätschaften experimentiert. So fand sich in Oya 36 ein Plan zur simplen Transformation eines halben Fahrrads in eine prima Radhacke. Zwei Räder mehr und vermutlich eine Prise mehr Geschick benötigt der Bau eines über das Feld zu schiebenden Gefährts, das »auf ergonomische und schnelle Weise« Kartoffelkäfer von den Pflanzen in eine Auffangvorrichtung fegt. Die gefürchteten Käfer können innerhalb kurzer Zeit ganze Felder kahlfressen; ursprünglich in Mexiko beheimatet, wurden sie 1877 nach Europa eingeschleppt; die bisher verfügbaren agrarökologischen Spritzmittel wirken unspezifisch beziehungsweise unsicher.

Ersonnen hat das leichte, dreirädrige Handgerät eine kleine Gruppe von Gärtnern aus der Gemeinde Champsaur in den französischen Hochalpen zusammen mit einem lokalen Schmied. Das Kernstück ihrer rollenden Erfindung sind zwei Besen mit langen, weichen Borsten, die um eine Akkuschrauber-betriebene Achse rotieren, während das Gestell über eine gehäufelte Kartoffelreihe geschoben wird. Die höhenverstellbaren Besen schleudern die Käfer gegen eine seitlich aufragende Wand, von wo aus sie in die Sammelrinne fallen.

Auf der unten angegebenen Website sind eine Reihe denkbarer konstruktiver Verbesserungen aufgelistet, darunter der Einbau einer Fahrrad-Bremsanlage oder eine komfortablere Drehzahlsteuerung direkt am Lenker. Nicht bedacht (oder wieder verworfen) wurde offenbar bislang die Möglichkeit, den Besen-Rotor direkt über die hintere Achse des Gefährts anzutreiben. Ich hatte beim ersten Sehen des kurzen Videos vom Betrieb des »Landoryforts« den Akkuschrauber nicht bemerkt und war von einem rein mechanischen Antrieb ausgegangen; Akku-Elektrogeräte sind vermutlich weder enkeltauglich noch postkollaps-kompatibel…

Unbeantwortet ist für mich zudem die Frage, was mit den gesammelten Käfern zu tun ist. Gibt es eine sinnvolle Verwendung für die giftigen Tiere, die hierzulande keine natürlichen Fressfeinde kennen? Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass die Bauern früher die Achsen/Räder ihrer Pferdegespanne mit einer Paste aus Maikäfern schmierten. 


latelierpaysan.org/Landoryfort


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