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Solidarische Ökonomie (Buchbesprechung)

von Ute Scheub, erschienen in Ausgabe #65/2021
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Was haben ausbeuterische Arbeitsverhältnisse mit der Klimakrise zu tun? Eine Menge, findet Gabriele Winker, emeritierte Professorin für Genderstudies und Arbeitswissenschaft sowie Mitbegründerin des Netzwerks »Care Revolution«. In ihrem Buch »Solidarische Care-Ökonomie« stellt sie dar, wie eng die Erschöpfung ökologischer und menschlicher Ressourcen zusammenhängen. 

Winker geht etwas trocken, dafür sehr systematisch vor. Zuerst stellt sie dar, wie stark die vor allem von Frauen verantwortete Fürsorge-Arbeit durch neoliberale Wirtschaftspolitik übersehen, gefährdet und untergraben wird – unter anderem durch die Privatisierung der Gesundheits- und Pflege-systeme und den fehlenden Schutz vor Armut. Dann zeigt sie anhand vieler Zahlen, wie dringend nötig ein konsequenter Klimaschutz wäre und warum er »innerhalb des Kapitalismus« nicht möglich sei. Schließlich entwirft sie die »Care Revolution als Transformationsstrategie«. 

Dieses letzte Kapitel fand ich das spannendste. Winker beruft sich hier auf Rosa Luxemburg mit ihrer »revolutionären Realpolitik«, weil eine abstrakte Gegenüberstellung von Reform und Revolution nicht angemessen sei, um folgendes Ziel zu erreichen: eine »an menschlichen Bedürfnissen orientierte, radikal demokratisch gestaltete solidarische Gesellschaft«. Im Zentrum dieser Transformation, so die Autorin, stehe der Aufbau einer solidarischen Care-Ökonomie. Diese umfasse unbezahlte und bezahlte Sorgearbeit in Familien, Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas, aber auch in den Bereichen Landwirtschaft, Mobilität, Wohnungsbau und Energieversorgung. All das müsse »bedürfnisorientiert und ökologisch nachhaltig« gestaltet werden. 

Hierfür sei eine Verkürzung der Erwerbsarbeit auf maximal 30 Stunden pro Woche nötig; eine gerechtere Aufteilung von Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern; ein bedingungsloses Grundeinkommen; eine solidarische Bürgerversicherung sowie eine demokratisierte öffentliche Infrastruktur, die von »Care-, Mobilitäts-, Ernährungs- oder Energieräten« verwaltet würde. Winker zeigt sich hier als Fan der Commons – etwa in Form von Gemeinschaftsgärten, Nachbarschaftszentren, Hausprojekten, Polikliniken und Agrargenossenschaften. 

Inhaltlich kann ich der Autorin in allem zustimmen – nur wie geht der Weg dorthin? »Je mehr Organe der Selbstverwaltung und je mehr Commons entstehen, desto besser lernen Menschen bereits im Kapitalismus, sich freundlich aufeinander zu beziehen«, schreibt Winker. Bisher hat die bloße Existenz ausbeutungsfreier Alternativen aber nicht ausgereicht, dass Menschen sich dort massenhaft organisieren. 

Dennoch möchte ich das Buch empfehlen. Es ist ein wichtiger Versuch, den individuellen und planetarischen Burnout zusammenzudenken und Wege aus dieser Krise heraus zu finden. 


Solidarische Care-Ökonomie
Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima.
Gabriele Winker
Transcript, 2021
210 Seiten
ISBN 978-3837654639
15,00 Euro

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