Buchtipps

Die Sache mit dem Suppenhuhn (Buchbesprechung)

von Ulrike Meißner, erschienen in Ausgabe #70/2022
Photo

Brauchen wir Tiere in der Landwirtschaft oder brauchen wir sie nicht? »Ja, natürlich«, sagen die, die Fleisch essen möchten. Andere ernähren sich vegan und sagen: »Völlig überflüssig« (Siehe auch die Pro-Contra-Beiträge in Oya 24). Eine Lösung für eine ganze Gesellschaft aus diesen und vielen weiteren differenzierten Meinungen zu finden, ist nicht leicht. Und trotzdem versucht Cornelie Jäger genau das in ihrem bereits 2018 erschienenen Buch. Einen Weg zu einer »landwirtschaftlichen Tierhaltung, die endlich allen gerecht wird« möchte sie finden. Die Autorin ist studierte Tierärztin und war von 2012 bis 2017 Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg. Sie nähert sich einer Lösung über eine große Bestandsaufnahme. Das Ziel sei, »nicht bei der Kritik an der derzeitigen Art, Tiere zu nutzen, zu verharren, sondern zukunftsorientiert zu diskutieren«. Sie wirft dazu einen Blick in die Geschichte, betrachtet unser Verhältnis zur Nahrung sowie zu Tieren allgemein und skizziert die Entwicklung der Tierhaltung in der Landwirtschaft ebenso wie die Bedürfnisse nach einer ausgewogenen Nahrungsmittelauswahl aus Sicht der Ernährungswissenschaft. 

Konflikte, die bei der Haltung landwirtschaftlich genutzter Tiere entstehen, werden ausführlich behandelt. Da geht es etwa um die Auswirkungen auf Klima und Wasserhaushalt, auf Boden und biologische Vielfalt, um die Ernährung der Weltbevölkerung oder um die Rolle von Konsumenten, Handel und Agrarpolitik. 

Abschließend kommt Cornelie Jäger dann zu Vorschlägen für ein Leitbild der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Deutschland. Damit versucht sie, »Wege aus einem großen gesellschaftlichen Dilemma zu skizzieren, ohne das Ende der Entwicklungen bereits im Einzelnen festlegen zu können«.

Aufgelockert wird diese inhaltsschwere Kost durch Textabschnitte, in denen jeweils konkret auf das Thema »Hühnerhaltung« geblickt wird. Das alles ist spannend zu -lesen und liefert eine gute Grundlage, um in Diskussionen um Tierwohl und Tierhaltung mitreden zu können.


Die Sache mit dem Suppenhuhn
Wie landwirtschaftliche Tierhaltung endlich allen gerecht wird.
Cornelie Jäger
Ulmer, 2018
335 Seiten
ISBN 978-3818603694
18,00 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #70

Photo
von Claus Biegert

Konflikte melden sich mit Gewalt, wenn wir sie ignorieren

Claus Biegert: Sascha, was bedeutet Sicherheit für dich persönlich?  Sascha Hach: Sicherheit ist für mich vor allem ein Gefühl, das mit Grenzen zwischen innen und außen zu tun hat – genauer gesagt: mit der Kontrolle über diese Grenzen. Die

Photo
von Tabea Heiligenstädt

Tun, was gerade dran ist

Luisa Kleine  Anastasyia, möchtest du uns ein paar Worte über dich erzählen und wie es dir gerade geht?Anastasyia Volkovo  Gerade bin ich entspannter. Das Treffen von GEN Europe, das in der dänischen Gemeinschaft »Ananda Gaorii« stattgefunden

Photo
von Matthias Fersterer

Matriarchale Gesellschaften der Gegenwart/Geschichte matriarchaler Gesellschaften und Entstehung des Patriarchats (Buchbesprechung)

Allen, die den Abschnitt »Wir betreten eine verbotene wissenschaftliche Zone und diskutieren die Möglichkeit jungsteinzeitlicher Matriarchate« in Kapitel sechs von David Graebers und David Wengrows wegweisendem Buch »Anfänge« gelesen haben und mehr erfahren wollen;

Ausgabe #70
Was gibt Sicherheit?

Cover OYA-Ausgabe 70
Neuigkeiten aus der Redaktion