In eigener Sache

Vorher und … nachher?

Die Rubriken »Bildung«, »Gemeinschaft« und »Permakultur« sowie »Die Kraft der Vision« boten im Herzen von Oya ­Möglichkeit zu Austausch, Vernetzung und Inspiration. In der bisherigen Form lösen sie sich auf – doch ihre Themen ­bleiben Kernanliegen.
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Beim Sprung in den Brunnen der Transformation (siehe Seite 6) lassen wir auch Dinge hinter uns, die in den vergangenen 13 Jahren ein wesentlicher Teil von Oya waren. Oya wird ab nächstem Jahr in -einem neuen Gewand erscheinen, in dem es die Rubriken »Gemeinschaft«, »Bildung« und »Permakultur« in ihrer vertrauten Form nicht mehr geben wird. Genauso verabschieden wir uns an dieser Stelle von der »Kraft der Vision« in ihrer bisherigen Form. Diese war ein Ort, an dem visionäre Gedanken im Originalton der Verfassenden zu lesen waren.

Wir verabschieden uns von den Formen, nicht aber von den Inhalten! Alle genannten Themen bleiben weiterhin Kernanliegen von Oya. In unserem gegenwärtigen Wandlungsprozess fühlen wir die Notwendigkeit, die bisherige Form hinter uns zu lassen, um uns – in den an den Maler Paul Klee anknüpfenden Worten von Oya-Rätin Hildegard Kurt (Seite 66) gesprochen – den »formenden Kräften« anzuvertrauen, anstatt jetzt schon auf bestimmte »Form-Enden« hinzuarbeiten.

Diese vier Bereiche von Oya bildeten in ihrer Beständigkeit einen Gegenpol zu den in jeder Ausgabe wechselnden Titelthemen; von vielen Lesenden wissen wir, dass ihnen die Rubriken Heimaten waren, in denen sie Rückversicherung, Inspiration und Neuigkeiten aus den jeweiligen Szenen und Themenfeldern fanden. In dem Sinn, in dem »Heimat« nicht etwas ist, das ein für alle mal gehabt und bewahrt werden kann, sondern heimisch zu werden ein kontinuierlicher Prozess ist, wollen wir den wesentlichen Inhalten weiter Raum geben, jedoch nicht in der Form von fixen Formaten – frei nach dem französischen Sozialisten Jean Jaurès (1859–1914) – wollen wir die Flamme weitertragen und die Asche getrost dem Kom-post übergeben, auf dass daraus neue fruchtbare Erde werden möge.

Warum waren es genau diese Themen, die in Oya als langjährige Rubriken zu finden waren? Vor dreizehn Jahren waren die bestehenden Rubriken aus der Vorgängerzeitschrift »KursKontakte« mit zu Oya umgezogen (mehr zur Gründung erzählen Lara Mallien auf Seite 33 und -Johannes Heimrath auf Seite 89): »Anders lernen« (Anke Caspar-Jürgens, Seite 62; später -Alexander Capistran, dann -Helen Britt, Dorothée Krämer, Lotte Selker, Lola Franke und Anja Marwege), »Leben in Gemeinschaft« (damals von Wolfram Nolte und Dieter Halbach gehütet, später von Luisa Kleine) sowie »Gesundheit« (Sonja Blank, später Beate Küppers). Ein von Jochen Schilk und Johannes Heimrath lang gehegter Wunsch nach einer »Permakultur«-Rubrik wurde mit Oya endlich Wirklichkeit. Von der ersten bis zur vorigen Ausgabe wurde die Rubrik von Ulrike Meißner gehütet. An alle Rubriken-Hütende sei an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön aus-gesprochen!

»Die Kraft der Vision« erschien 2011 erstmals in Ausgabe 7, nachdem der Wissenschaftsphilosoph und Begründer des »Club of Budapest«, Ervin László, -Johannes Heimrath einen langen Leser-brief auf den ersten Text von dessen Kolumne »Gedanken für eine wärmere Welt« geschickt hatte; Johannes schlug für Ausgabe 8 noch einen Text der -Evolutionsbiologin und Systemforscherin Elisabeth Sahtouris vor, und ab Ausgabe 9 übernahm Matthias Fersterer die Rubrik und bestückte sie seitdem mit visionären Fundstücken, die er oftmals eigens dafür übersetzte. So wurden Texte von Ursula K. Le Guin (Oya 49 und 59), Báyò Akómoláfé (Oya 66), bell hooks (Oya 67), Wendell Berry (Oya 29 und 35), Maude Barlow (Oya 18), David Graeber (Oya 22), Václav Havel (Oya 42), Peter Linebaugh (Oya 47) oder J. M. Coetzee (Oya 19) erstmals einer deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht. Die Stimmen von Menschen, die wie Kay Sara (Oya 60) und Ailton Krenak (Oya 70) aus einer indigenen postkolonialen Perspektive heraus schreiben, kamen dort ebenso zu Wort wie Ahninnen und Ahnen, auf deren Schultern wir stehen – wie Michael Ende (Oya 32), Silke Helfrich (Oya 55), Elinor Ostrom (Oya 10), Astrid Lindgren (Oya 25), Friedensreich Hundertwasser (Oya 36) oder Ivan Illich (Oya 37) –, oder auch Mitglieder unseres vor zwei Jahren neu einberufenen -Oya-Rats.

In den Rubriken entstanden Foren für die jeweiligen Bewegungen, in denen Nachrichten verbreitet wurden, Austausch über freies und selbstbestimmtes Lernen stattfand, Wissen über Heilweisen ausgetauscht und Gesundheitsbündnisse geschmiedet wurden, Gemeinschaftsmitglieder gesucht und gefunden wurden, Fachinformationen, Bodenwissen, Gartentipps und Erfahrungsberichte weitergegeben wurden. Von manchen Lesenden wissen wir, dass sie ihre Lieblingsrubrik hatten, die sie nach Ankunft einer neuen Ausgabe als erstes aufschlugen.

Dieser Zyklus von Oya schließt sich nun. Aus personellen Gründen wurde die Gesundheitsrubrik bereits mit Ausgabe 39 eingestellt. War die Permakultur-Rubrik einst eine Art Mitgliederzeitschrift der Permakulturszene, so stellt sich heute  die Frage, was mit all den weiteren subsistenten, regenerativen, symbiotischen und ganzheitlichen Landbaupraktiken ist, die jenseits der Permakultur im strengen Sinn existieren. Hat sich das Forschungsfeld geweitet? Der seit einigen Jahren gehegte Wunsch, die Bildungsrubrik durch ein Kollektiv von jungen Lernenden entstehen zu lassen, ist bislang nicht in Erfüllung gegangen. Ist eine Plattform für die bunten, mittlerweile so vielzählig gewordenen Bildungsinitiativen und Lernwege überhaupt noch sinnvoll? Haben sich mittlerweile andere Orte für Austausch und Vernetzung gebildet? Was wünschen sich junge Gemeinschaften, etwa auch hinsichtlich der Teilhabe an den Erfahrungen gewachsener, langjährig bestehender Gemeinschaften? – Wir freuen uns darauf, liebe Lesende, Ihre und eure Gedanken zu diesen und weiteren Fragen zu lesen!

Die bisherige Form der Rubriken wird sich auflösen, ihre Themen sind jedoch fest mit Oya verwachsen und werden uns weiterhin begleiten. Wie sollte es auch anders sein? Viele der Menschen, die Oya lesen, hüten und machen, leben in Gemeinschaft, haben Gemüsegärten, gründen Freie Schulen und Lerngruppen, organisieren sich in politischen und regionalen Netzwerken, pflanzen Bäume und Waldgärten, sind Eltern, Spielgefährtinnen, Tanten, Onkel und Großeltern. Weiterhin verstehen wir Oya als Forum für diese Themen und Anliegen und bleiben eng mit den jeweiligen Bewegungen verbunden.

Für all jene, denen noch Ausgaben, in denen es die vorgenannten sowie viele weitere Beiträge zu lesen gibt, fehlen bieten wir zwei eigens geschnürte Pakete an, die die Geschichte von Oya samt ihren Rubriken nachvollziehbar machen (Seite 23). Die Hefte laden dazu ein, an langen Winterabenden Texte neu- und wiederzuentdecken.

Wie in jedem lebendigen System werden sich bei Oya – auch in Zeiten wie diesen, in denen sich gerade alles gleichzeitig zu wandeln scheint – neue Formen von Beständigkeit und Kontinuität, Vernetzung und Austausch herausbilden. Obwohl jeder neue Tag einzigartig ist, beginnt er doch immer mit einem Sonnenaufgang, und jedes Jahr beginnt mit einem Frühling. 

Diese Qualitäten möchten wir mit Ihnen und euch erforschen: Welchen Fragen soll Oya künftig insbesondere nachgehen? Was wird vermisst? Bei welchen Gedanken ans kommende Oya-Jahr regt sich Vorfreude? Wir sind gespannt auf Gedanken, Anregungen und Inspiration: mitdenken@oya-online.de

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