Commonie

Den Geist der anderen Orte spüren

»Wenn der Sinn stimmt, dann bleibt selbst auf der Seite des Scheiterns noch das Kostbarste intakt.«
Eva von Redecker
von Laura Arendt
Photo
© Commons-Zentrum

Bei einem Commons ist die wesentliche Frage nicht, ob es gelingt oder scheitert, sondern:
Wie stiftet es Sinn und Beziehung? Das, was die Philosophin Eva von Redecker in dem Buch
Dieser Drang nach Härte (S. Fischer) als das »Kostbarste« bezeichnet, ist der eigent-
liche Kern des Commonings. Davon erzählt auch Laura Arendt nachfolgend. Und dieses oft
namenlos bleibende »Herz« gilt es unter anderem durch juristische Formen zu bewahren,
so etwa in der CSX-Struktur von Oya.

Das Gästihaus in Dannenrod ist eine selbstorganisierte Herberge für und von Aktivisti rund um die Waldbesetzungen in der Nähe (siehe Oya-Almanach ). Als eine seiner Mithütenden war ich zur Vernetzungskonferenz für Transformationszentren eingeladen. Mitte April reisten Hütende weiterer gemeinschaftsgetragener Orte für drei Tage nach Lüneburg ins Commons-Zentrum, einem Platz für tauschlogikfreies Tun, etwa mit Fahrradwerkstatt, Schenkladen und Zusammen-
wirken auf Augenhöhe. Wir wollten uns über die Herausforderungen der jeweils von uns gepflegnutzten Orte – darunter der Petershof (Köln), die KlimaWerkstadt (Bremen), Offene Werkstatt (Reinstorf), Kunst-Stoffe (Berlin), blau:pause (Flensburg), Ostwache (Leipzig), Kreisler (Berlin), Frida (Dortmund), Kanthaus (Wurzen), Postkollapsbewusstsein schafft Bündnisse, wie hier beim Vernetzungstreffen in Lüneburg. Pödelwitz, K20 (Einbeck-Salzderhelden), ZAM (Erlangen) und Spektral (Graz) – austauschen und gemeinsam nach Lösungen forschen. Das Gästihaus etwa ist aktuell stark von staatlichen Repressionen wie vermehrter Polizeipräsenz und dem Wegfall von Mieten betroffen. Ich kam mit der Frage, ob auch andere erleben, dass sich Druck durch Bürokratie erhöht. In wechselnden Kleingruppen und gemeinsamen Runden bewegten die Teil-
nehmenden Themen wie Zugänglichkeit, Finanzierung, Sorgen und kollektive Überforderung, Hierarchien, personelle Ressourcen und Vernetzung. Ich habe die einzelnen Projekte bei der Konferenz als miteinander verwoben und eingebettet in einen größeren Kontext erlebt. Im Wissen um sich zuspitzende Krisen in der Welt konnten wir uns stärken, indem wir voneinander erfuhren und miteinander lernten. Immer wieder entstehen Ideen des guten Lebens – ob an gewachsenen oder neugegründeten Orten. Es ist wichtig, solche Räume auch immer wieder zu öffnen und weiter an einem Netz zu knüpfen, das uns gegenseitig trägt. Im gemeinsamen Anerkennen auch des Scheiterns finde ich Trost und verstehe: Es ist kein individuelles Scheitern und ich spüre ein gemeinsames Interesse, auch daran kollektiv weiterzuforschen. Dies hat die Konferenz
ermöglicht, und ich bin dankbar, Teil davon gewesen zu sein.

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gaesti.haus

Commoniebrief #09

Cover OYA-Ausgabe 86
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