enkeltauglich leben

Energiewende (Buchbesprechung)

von Jochen Schilk, erschienen in Ausgabe #3/2010
Photo

Viel ist zu hören und zu lesen über den hoffnungs- vollen Boom, den die noch junge Energiewende- Bewegung zur Zeit in manchen Weltgegenden erfährt. Seitdem sich der irische Lehrer und Permakulturist Rob Hopkins in der südenglischen Kleinstadt Totnes mit seinen Schülern anschickte, einen Plan auszuar- beiten, wie ihre Gegend für die sich abzeichnenden Herausforderungen der Zukunft zu wappnen sei, sind gerade einmal vier Jahre vergangen. Und doch gibt
es weltweit bereits Hunderte lokale Initiativen, die dem Beispiel von Totnes nacheifern, wo bald ein guter Teil der Bürgerschaft aktiv beim »Transition-Town«- Projekt der Schüler mitmachte. Ressourcenverknap- pung, Klimawandel und viele weitere Probleme bedrohen die Existenz der Menschheit, der Kopen- hagener Klimagipfel demonstrierte einmal mehr die Vergeblichkeit jeder Hoffnung in die internationale Politik. Dass die naheliegende Idee, als Bürger nicht auf die Umsetzung des notwendigen Wandels durch die Politik zu warten, sondern die Zukunft selber in die Hand zu nehmen, auch hierzulande auf breitere Resonanz stieß, lässt sich nicht so sehr an der Zahl der offiziellen deutschen Initiativen ablesen (die lassen sich momentan noch an einer Hand abzählen) als daran, dass die 2008 bei Zweitausendeins erschie- nene Übersetzung von Rob Hopkins’ »Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen« sehr bald vergriffen war. Nun hat der Verlag endlich eine zweite Auflage des hervorragend gemachten Buchs gedruckt. Hier erfahren wir in gut verständlicher Form noch einmal vom ganzen Ausmaß der Bedrohung, vor allem aber auch von den vielen Chancen, die unsere Zeit birgt. Großes Gewicht legt der Autor auf die Beschwörung der Kraft, die positive Visionen zu entfesseln vermö- gen: Die Entwicklung einer gemeinsamen Vision steht deshalb im Zentrum der Arbeit jeder Energiewende- Initiative. Energiewende bedeutet in erster Linie eine kommunale Ausrichtung auf das Ziel möglichst weit- reichender Selbstversorgung mit überlebenswichti- gen Dingen, vor allem also mit Nahrungsmitteln und Energie. Es geht, grob gesagt, um den Wiederaufbau von regionalen Wirtschaftskreisläufen und darum, ei- nander wieder näherzukommen, die gesellschaftliche Zersplitterung zu überwinden und mit Freude am Pro- zess krisenfeste soziale Netzwerke aufzubauen. Das Buch kann für neu ins Leben gerufene Initiativen eine gute Orientierungshilfe sein. Einen guten Eindruck von der Dynamik der britischen Transition-Town- Initiativen vermittelt zudem der Film »In Transition«, der sich unter transitionculture.org bestellen (mit Untertiteln) oder auch auf YouTube (ohne Untertitel)
ansehen lässt. 

Energiewende.
Das Handbuch.
Rob Hopkins Zweitausendeins, 2008
236 Seiten
ISBN 978-3861508823
22,00 Euro

weitere Artikel aus Ausgabe #3

Photo
von Gandalf Lipinski

Schwarze Sonne (Buchbesprechung)

Was haben wir als aufgeklärte und politisch engagierte Menschen von heute mit einem Buch über Esoterik, Spiritualität und Rituale zu tun? Ach ja, die Nazis sollen damit zu tun gehabt haben. Der eine oder die andere mag geneigt sein, diesen Umstand eher als marginalen oder bizarren

(Postwachstums-)Ökonomievon Matthias Fersterer

Gaben(tausch)

 Gabentausch: Was ist eine Gabe? Kann man Gaben tauschen? Wann wurden Gaben zu Waren? Ist die »reine Gabe« nur ein unerreichbares Ideal oder doch ein fester Bestandteil des Lebens? Und was hat das alles mit Liebe zu tun? Matthias Fersterer ist dem Geist der Gabe auf der Spur.Die

(Postwachstums-)Ökonomievon Johannes Heimrath

Solidarisch Wirtschaften

Die Idee der Solidarität scheint in der die Welt beherrschenden Wirtschaft keinen Platz zu haben. Doch es gibt positive ­Beispiele. So setzt die GLS Bank mit der »Schenkgemeinschaft« auf ein solidarisches Finanzierungsmodell, ­Pionie­rin­nen und Pioniere aus Praxis und Politik ver­öffentlichen und beraten zum Thema. Das Oya-Gespräch kreist um die Frage, wie ­solidarische Ökonomie zur Bewegung werden kann.