Almanach

Am Ende sind wir alle Kompost

Eine Geschichte aus einer unbestimmten künftigen Zeit, erzählt von Mina, übersetzt für diesen Almanach in gegenwärtiges Deutsch, inspiriert von der dann offenbar gescheiterten Kryonik-Bewegung, die im 21. Jahrhundert den Tod austricksen wollte. Vorsicht: In der Geschichte kommen tiefgekühlte Körper und ein unheimliches Brummen vor.von A.M. Jorind, erschienen in Ausgabe #80/2025
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© Robert Volkmer

Ihr bittet mich immer und immer, die Geschichte wieder zu erzählen. Also erzähle ich sie noch einmal, obwohl es eine äußerst merkwürdige Geschichte ist. Aber vielleicht wandert diese Geschichte ja einst bis an einen Ort, an dem sie verständlich wird. Ich glaube daran, dass jede Geschichte einen Ort in Raum und Zeit hat, wo sie ganz verstanden werden kann. 

Es trug sich in dem Jahr zu, als wir eine andere Route als sonst nahmen. Das Tal, durch das wir üblicherweise zum großen Sommertreffen der Ziehenden Rehe wanderten, war im Jahr zuvor von einem Waldfeuer verwüstet worden. In langen Winterrunden hatten wir beschlossen, dieses Jahr weiter östlich zu ziehen und zu schauen, ob es dort einen anderen guten Weg zum Sommerlager geben würde. Der Tag, an dem wir auf das Merkwürdige trafen, war ein Tag, an dem die Pappelsamen flogen. Wisst ihr, einer jener Tage, an denen die Welt von Frühlingstaumel durchdrungen ist, von flaumigen, weißen Flocken, die umherschweben, sich verbinden, sinken, aufsteigen. Die Schwalben waren wiedergekehrt und flogen dann und wann, Jubelrufe aussendend, zwischen dem Flaum herum. Es war einer jener Tage, die ein wenig außerhalb der Zeit stehen …

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Am Ende sind wir alle Kompost

Eine Geschichte aus einer unbestimmten künftigen Zeit, erzählt von Mina, übersetzt für diesen Almanach in gegenwärtiges Deutsch, inspiriert von der dann offenbar gescheiterten Kryonik-Bewegung, die im 21. Jahrhundert den Tod austricksen wollte. Vorsicht: In der Geschichte kommen tiefgekühlte Körper und ein unheimliches Brummen vor.

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