Commonie

Waldweide ist Brandschutz

»Militarismus und Geld bringen keine Sicherheit. Was uns schützt, ist unsere Gegenseitigkeit.«
Peter Linebaugh
von Isabel Batista
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© Juliane Baumann

Sicherheit nicht statt, sondern durch Gemeinschaft – dieses Prinzip benennt der Commonsforscher Peter Linebaugh in seinem Buch Stop, Thief! (PM Press, 2014; siehe »Die Kraft der Vision«, Oya 47/2018). Ganz in diesem Sinn macht Oya sichtbar, wie gegenseitige Fürsorge, pflegnutzendes Gemeinschaffen und aufständische Konvivialität in der dystopischen Gegenwart gedeihen können (siehe »Utopien im Crashtest« in diesem Brief). Ein aktuelles Beispiel dafür ist Feuerprävention durch die Allmendepraktik der Waldhute.

Manchmal beginnt Systemwandel überraschend unspektakulär mit einer Herde Ziegen. Juliane Baumann ist Feuerökologin, arbeitet im Forschungsprojekt »Pre-Graze« (Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg) daran, Waldbrandprävention neu zu denken, und setzt dabei auf die moderne Waldweide. Seit Juni 2026 grasen Schafe und Ziegen im Forst des brandenburgischen Städtchens Beelitz, das in den letzten Jahren bereits mehrere gefährliche Waldbrände in Siedlungsnähe erlebt hat. Auf Waldbrandschutzstreifen und in Pufferzonen rund um die Stadt fressen die Weidetiere Gras sowie tiefhängende Blätter und Ästchen. Dadurch reduzieren sie potentielles Brennmaterial – einer der entscheidenden Faktoren für die Intensität von Waldbränden. Die Tiere fördern die Biodiversität, sparen fossile Kraftstoffe ein und verhindern Bodenverdichtung. Heutige Forstwirtschaft und Eigentumsfragen haben die im Mittelalter gängige Praxis der Waldweide in Hutewäldern weitgehend verdrängt. Die moderne Waldweide bringt die unterschätzte Kultur der Hirtenzunft zurück, deren Wissen über Landschaft und Tiere jahrhundertelang gewachsen ist. Die Waldweide führt auch zu Konflikten, denn Schafe und Ziegen unterscheiden nicht zwischen unerwünschten Sträu-chern und frisch gepflanzten Baumsetzlingen der Forstverwaltung, die Erkenntnisse über klimaresiliente Baumarten gewinnen will und auf deren Überleben hofft. Je mehr ich von Juliane über ihre Arbeit gehört habe, desto mehr habe ich meine romantischen Vorstellungen von Wald hinterfragt. Dieser muss nicht dicht, dunkel und abgeschottet von Weidetieren sein. Der Wald ist ein Ökosystem, das durch das Zusammenspiel aller seiner Gäste bereichert wird. 


isabelbatista.de/pregraze-waldweide-waldbrandpraevention
brandherde.info

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