Commonie

Weit werden

von Anja Marwege
Photo
© Luisa Kleine

»Wir verinnerlichen die Welt, in die wir hineingeboren wurden«, sagte die Visionärin Miki Kashtan in einem Gespräch mit Luisa Kleine und André Vollrath in Oya 68/ 2022. Seit ich den Kurs »Making Life Work« (»Damit Leben gelingt«) durchlaufe, den Miki als tauschlogikfreies Selbstlernangebot auf Englisch erarbeitet hat und online zur Verfügung stellt, betrete ich völlig neue Räume in mir selbst. Unzählige Erfahrungen aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit in Kriegsgebieten und Krisenregionen sind in die Fragebögen, Videosequenzen und persönlichen Begleittexte eingeflossen. So ist der an der Gewaltfreien Kommunikation ausgerichtete Kurs auch eine Reise durch Mikis eigene Biografie. Die Autorin und Prozessbegleiterin möchte ermöglichen, das eigene Menschsein in dessen Ganzheit zu sehen, ungeachtet davon, was eine Person getan hat; achtsamer mit dem eigenen Handeln umzugehen, auch wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellen; im Dialog zu bleiben, bis eine Lösung gefunden ist, die für alle tragbar ist; und die Ungewissheit des Lebens anzunehmen, ohne in den absoluten Kategorien von »richtig« und »falsch« oder »gut« und »schlecht« zu denken. Ich durchlaufe den sechsteiligen Kurs bewusst langsam über Monate und merke dabei, wie er mir tatsächlich das Herz öffnet und erwärmt – im Untertitel heißt es treffend: The fearless heart, das angstfreie Herz. Wer möchte, kann die eigenen Erfahrungen in den angeschlossenen Foren teilen und so in einen kollektiven Lernraum einspeisen, denn genau darum geht es Miki: »In den schwierigen Zeiten, in denen wir leben, wagen es viele von uns kaum noch, von einer Welt zu träumen, die die Bedürfnisse aller achtet und zu erfüllen sucht, die die je eigene Wahrheit willkommen heißt und die auf dem Vertrauen gründet, dass sich Lösungen für die größten Herausforderungen, denen wir als Einzelne und als Gemeinschaft gegenübersehen, finden lassen.« 


thefearlessheart.org/making-life-work

weitere Inhalte aus Commoniebrief #10

Photo

Utopien im Crashtest

»Wir müssen unsere Utopien einem Crashtest unterziehen«, schreibt Annette Schlemm (Espero 13/2026), denn »wir müssen davon ausgehen, dass die schon vorhandene massive Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen das Leben selbst unter besseren Bedingungen erheblich

Photo

Waldweide ist Brandschutz

Sicherheit nicht statt, sondern durch Gemeinschaft – dieses Prinzip benennt der Commonsforscher Peter Linebaugh in seinem Buch Stop, Thief! (PM Press, 2014; siehe »Die Kraft der Vision«, Oya 47/2018). Ganz in diesem Sinn macht Oya sichtbar, wie gegenseitige Fürsorge,

Photo

Danke, ihr seid toll! – Und, ja, es ist noch aktuell …

Im vergangenen Commoniebrief riefen wir dazu auf, die Finanzlücke bei Oya zu schließen: 34 000 Euro jährlich werden vor allem dazu benötigt, um bislang überwiegend ehrenamtlich tätigen Redaktionsmitgliedern kleine Grundauskommen zu ermöglichen. Was hat sich

Commoniebrief #10

Cover OYA-Ausgabe 87
Download PDFNeues aus der RedaktionVerteilstationen